Das Bild von friedlich auf einer Stromleitung hockenden Schwalben oder anderen kleineren Vögeln ist alltäglich. Doch längst nicht immer sind solche Leitungen für Vögel ungefährlich. Sicher sind sie nur, solange sie mit ihren Füßen oder dem Körper nicht mehr als einen Leiterdraht berühren. Das ist für kleine Piepmätze kein Problem, wohl aber für große Vögel wie Störche oder Kraniche.
Allein in den letzten vier Wochen starben sechs junge Weißstörche an Verbrennungen durch einen Stromschlag, wie der NABU berichtet. Bei den betroffenen Tieren handelte es sich um junge Störche, die erst kürzlich ihre Nester verlassen hatten. “Jeder einzelne Tod dieser seltenen Vögel hätte verhindert werden können, wenn die Energieversorger ihrer Verpflichtung nachgekommen wären, die Masten vogelsicher zu machen”, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Tödliche Kollision
Gefahr droht Störchen und anderen großen Vögeln auf gleich mehrfache Weise: Hochspannungsleitungen, deren Leiterdrähte nicht durch auffällige Markierungen sichtbar gemacht wurden, werden von den Vögeln schnell übersehen. Zu schnell und zu groß, um ausweichen zu können, rasen sie in die Leitungen hinein. Mit ihrem kräftigen Körper und den langen Flügeln berühren sie dabei sehr leicht zwei der parallelen Drähte auf einmal.
Die Folge: Es entsteht ein Kurzschluss und je nach Leitung jagen mehrere tausend Volt durch den Körper des Vogels. Gegen diesen Stromschlag hat er keine Chance. Besonders oft kommt dies vor, wenn Leitungen durch Vogelrastgebiete führen oder entlang von wichtigen Vogelzugkorridoren liegen. Studien haben nachgewiesen, dass dort dann pro Leitungskilometer mehrere hundert Vögel im Jahr durch Kollisionen ums Leben kommen können.
Kurzschluss am Mast
Zur tödlichen Falle werden können aber auch die Masten von Mittelspannungsleitungen. Denn hier kann der tödliche Stromschlag erfolgen, wenn der Vogel Mast und Leitung gleichzeitig berührt. Besonders häufig trifft dieses Schicksal Störche. Sie machen mehr als die Hälfte der Strommast-Opfer aus, weil sie oft auf den Masten schlafen oder sie sogar als Brutplatz wählen, wie der NABU mitteilt. Aber auch für Greifvögel und Eulen werden ungesicherte Masten zur tödlichen Gefahr, wenn sie diese als Sitzwarte auswählen.
Doch eigentlich dürfte genau dies gar nicht mehr vorkommen. Denn bereits Ende 2012 ist die zehnjährige gesetzliche Übergangszeit zu einer vogelsicheren Nachrüstung der Masten abgelaufen. Ab dem 1. Januar 2013 müssen die Energieversorger unter anderem Abdeckungen über den Isolatoren anbringen und die abgehenden Leitungen nahe des Masts ummanteln. Das schützt Storch und Co. vor dem tödlichen Kurzschluss. “Doch weil an vielen Orten die Kontrollen fehlen, ignorieren zahlreiche Energieversorger die Auflagen oder setzen immer noch wirkungslose Schutzvorrichtungen ein”, sagte Tschimpke.





