Mit einer Methode, die bei Insekten noch nie beobachtet wurde, bringt die Knotenameise Allomerus decemarticulatus ihre Opfer im wahrsten Sinne des Wortes zur Strecke. Die zwei Millimeter großen Tiere, die in den Amazonaswäldern Französisch Guayanas zu Hause sind, greifen dazu nach Untersuchungen von französischen Biologen um Jérôme Orivel von der Universität Toulouse zu einem perfiden Trick: Zunächst lösen sie Fasern aus der Pflanze Hirtella physophora, mit der sie in Symbiose leben. Daraus bauen sie mithilfe einer von ihnen abgesonderten klebrigen Substanz ein schwammartiges Gebilde, in das sie viele kleine Löcher bohren. In diesen Löchern verbergen sich Arbeiterinnen und lauern mit weit aufgesperrten Kiefern auf Beute. Lässt sich ein Insekt auf der Falle nieder, beißen sich Ameisen in dessen Beinen und Fühlern fest und zerren es – wie auf einer Streckbank – so weit in die Länge, dass es sich nicht mehr bewegen kann. Dann strömen andere Ameisen herbei, die das Opfer entweder sofort zerlegen oder es mit Bissen betäuben, um es als Ganzes ins Nest zu schleppen. „ Diese Jagd-Methode ist sehr effektiv”, erklärt Orivel. „Wir konnten sogar beobachten, wie die winzigen Ameisen Heuschrecken erlegten, die drei Zentimeter lang waren.”





