Prostitution gehört für Adélie-Pinguinweibchen beim jährlichen Brutgeschäft einfach dazu. Steine sind die Währung, in der sie sich ihre Liebesdienste bezahlen lassen. Denn die sind knapp auf der antarktischen Ross-Insel, wo sie leben, aber dringend notwendig für den Nestbau. Und wenn der Gatte nicht in der Lage ist, genügend Kies zu besorgen, dann geht seine Frau eben anschaffen.
Sex im Tierreich in all seinen Spielarten ist das Thema von Mario Ludwig und Harald Gebhardt. Die beiden erfahrenen Autoren locker geschriebener Sachbücher berichten über Gruppensex unter Schlangen, Vergewaltigungen bei Delfinen, Pornos für Orang Utans, Keuschheitsgürtel bei Maulwürfen – und immer wieder über Pinguine. Mal geht es schwul zur Sache, mal singen die Tiere gemeinsam ein Liebeslied.
Das Buch ist gut recherchiert, auf dem neuesten Stand, immer leicht verständlich und dem Thema entsprechend frivol und witzig geschrieben. Zahlreiche Cartoons unterstreichen die Lässigkeit und verführen immer wieder zum Schmökern. Solche Seiteneinstiege sind die beste Art, das Buch zu lesen, denn es ist nicht am Stück geschrieben, sondern eine Sammlung kurzer und langer Artikel zu einzelnen Themen. Der einzige Wermutstropfen: Es fehlt das für ein so faktenreiches Buch nötige Register. Thomas Willke
Mario Ludwig, Harald Gebhardt KÜSSE, KÄMPFE, KAPRIOLEN Sex im Tierreich blv, München 2007 127 S., € 9,95 ISBN 978–3–8354–0142–6





