Der Mensch scheint an den Konsum von Alkohol ausgesprochen gut angepasst zu sein, berichten die Forscher um Mareike Janiak von der University of Calgary in der Einleitung ihrer Studie. Denn wir und auch die anderen Menschenaffen besitzen eine spezielle Form eines Enzyms, das für einen besonders effizienten Abbau der potenziell schädlichen Substanz im Körper sorgt. Diese Hochleistungs-Version der Alkoholdehydrogenase IV (ADH IV) ist Annahmen zufolge entstanden, weil die gemeinsamen Vorfahren des Menschen und der Menschenaffen gelegentlich Früchte verspeisten, die durch Gärung erhebliche Alkoholmengen aufwiesen.
Einem Alkohol-abbauenden Enzym auf der Spur
Über die Merkmale der Alkoholdehydrogenase IV bei anderen Säugetiergruppen ist hingegen bisher wenig bekannt, schreiben die Wissenschaftler. Deshalb haben sie diesem interessanten Enzym nun eine Studie gewidmet. Ihr Fokus lag dabei auf der Frage, ob sich ein Zusammenhang zwischen bestimmten Ernährungsweisen von Tierarten und den Eigenschaften des Alkohol-abbauenden Enzyms feststellen lässt. Es gibt zwar auch weitere Alkoholdehydrogenasen bei Säugetieren, die eine mögliche Bedeutung beim Abbau von Alkohol besitzen. Doch den Forschern zufolge eignet sich ADH IV als Indikator für die Stoffwechselfähigkeiten bezüglich Alkohol, beziehungsweise für die Frage, ob Tiere betrunken werden können. Im Rahmen ihrer Studie untersuchten Janiak und ihre Kollegen bei 85 Säugetierarten das Gen, das für die Herstellung von ADH IV verantwortlich ist. Wie sie erklären, lässt die Sequenz der Erbanlage Rückschlüsse über die Funktionalität des Enzyms zu.
Wie sie berichten, stellten sie eine auffällige Variationsbreite bei den Merkmalen des ADH IV-Gens im Tierreich fest. Bei einigen Arten ist die Erbanlage zwar vorhanden, aber durch Mutationen funktionslos geworden, berichten die Wissenschaftler. Diese Stilllegung von Erbanlagen tritt typischerweise auf, wenn das betreffende Produkt keine wichtige Bedeutung mehr für das Lebewesen hat und deshalb eingespart werden kann. Bei anderen Arten zeichneten sich hingegen genetische Besonderheiten ab, die zu einer ähnlichen Wirkung führen wie im Fall des ADH IV-Gens der Menschenaffen: Es macht das Enzym besonders leistungsstark beim Abbau von Alkohol.
Zusammenhang mit der Ernährungsweise
Die Vergleiche mit den Ernährungsweisen der Tierarten bestätigten zum Teil die Vermutung, dass sie mit den jeweiligen Abbaufähigkeiten gegenüber Alkohol verknüpft sind, berichten die Forscher. Es zeichnet sich demnach die Tendenz ab, dass eine Spezialisierung auf Früchte oder Nektare – die eine Bildung von Alkohol ermöglichen – zum Erhalt oder dem Ausbau des ADH IV-Enzyms geführt haben. Beispielsweise besitzen bestimmte fruchtfressende Flughundarten besondere Varianten mit vermutlich gesteigerter Leistungsfähigkeit. Im Gegensatz dazu ist der Verlust der Genfunktion für Arten typisch, die sich nur von Fleisch, Fisch oder aber von Gras oder Blattwerk ernähren. Beispiele dafür sind Hunde, Meeressäuger und einige Huftiere. Ein prominentes Beispiel für ein Tier ohne funktionstüchtiges ADH IV-Gen ist dabei auch der Elefant.





