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Tieren in Ökobetrieben geht es nicht automatisch besser
Biologie

Tieren in Ökobetrieben geht es nicht automatisch besser

Weidehaltung erhöht das Tierwohl. · Foto: © Thünen-Institut/ Solveig March

Der Ökolandbau gilt als besonders tierfreundlich. Ob das Tierwohl in Ökobetrieben aber tatsächlich besser ist als in der konventionellen Tierhaltung, wurde bislang wenig erforscht. Eine Studie zeigt nun: Den Tieren geht es in Öko-Betrieben nicht automatisch besser. Entscheidender ist, wie die Betriebe gemanagt werden.
Autor
Paula Meister
23. September 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Biologie

Die ökologische Tierhaltung soll Tieren bessere Lebensbedingungen bieten: mehr Platz, Auslauf und Möglichkeiten für natürliches Verhalten. Aber ist sie wirklich tiergerechter als die konventionelle Haltung?

Kathrin Wagner vom Thünen-Institut für Ökologischen Landbau hat dies nun gemeinsam mit Kollegen untersucht. Dafür wertete das Forschungsteam 86 Studien aus Europa und Nordamerika aus, die zwischen Januar 1990 und Juni 2023 erschienen sind. Diese umfassen insgesamt 623 direkte Vergleiche zwischen ökologischer und konventioneller Tierhaltung und konzentrierten sich überwiegend auf einzelne Bereiche des Tierwohls, etwa die Tiergesundheit.

Management wichtiger als Haltungsform

Das Ergebnis: Die Forschenden konnten nicht eindeutig feststellen, ob die ökologische Landwirtschaft bei einzelnen Aspekten des Tierwohls bessere Ergebnisse erzielt als die konventionelle Landwirtschaft. In 28 Prozent der Fälle hatte der ökologische Landbau Vorteile gegenüber der konventionellen Tierhaltung, in 56 Prozent gab es keinen klaren Unterschied. „Bei der Tiergesundheit fanden sich grundsätzlich keine Unterschiede zwischen den Haltungssystemen, mit Ausnahme der Klauen- und Beingesundheit bei Rindern und Schweinen. Dies deutet darauf hin, dass Managementfaktoren eine größere Bedeutung haben als das Haltungssystem selbst”, schreiben die Autoren der Studie.

Vorteile durch die ökologische Tierhaltung gibt es unter anderem dort, wo die EU-Öko-Verordnung konkrete Risikofaktoren berücksichtigt. Vorgaben zu mehr Platz und Einstreu wirken sich beispielsweise positiv auf Klauen und Gliedmaßen von Tieren aus und auch Lahmheiten und Gelenkschäden treten dadurch seltener auf. „Die Richtlinien des ökologischen Landbaus bieten ein großes Potenzial, jedoch keine Garantie für eine bessere Tierwohlsituation. Sie begünstigen zum Beispiel, dass sich Tiere artgemäß verhalten können“, sagt Co-Autorin Solveig March.

Forschende empfehlen Beurteilung direkt am Tier

Die Auswertungen zeigen zudem, dass nur wenige Studien bisher neben der Tiergesundheit auch das Verhalten und das emotionale Befinden der Tiere berücksichtigen. Hier deuten sich klare Vorteile der ökologischen Tierhaltung an, etwa weil die Tiere mehr Platz haben oder ihnen Auslauf oder Weidegang ermöglicht werden. „Nur der direkte Blick auf das Tier zeigt, ob es ihm rundum gut geht, es also gesund ist und sich wohlfühlt“, sagt March. Das Forschungsteam empfiehlt deshalb, bei Kontrollen und Öko-Zertifizierungen neben den Haltungsbedingungen und dem Management den Zustand der Tiere stärker zu berücksichtigen.

Quelle: Thünen-Instituts für Ökologischen Landbau. Fachartikel: Organic Agriculture, doi: 10.1007/s13165-026-00562-8

Ökobetriebökologische LandwirtschaftTierhaltungTierwohl
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