Seit 1989 steht beim "Baum des Jahres" jedes Jahr eine bestimmte Baumart im Fokus. Diese Aktion soll darauf hinweisen, wie wichtig Bäume für Natur, Klima und uns Menschen sind, aber auch auf die Gefährdung bestimmter Baumarten aufmerksam machen. Gewählt wird der Baum des Jahres durch ein Kuratorium aus 32 Mitgliedern aus Verbänden, Institutionen und Forschungseinrichtungen.
Für das Jahr 2027 hat das Kuratorium nun die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) ausgewählt. Das Kuratorium und die „Baum des Jahres - Dr. Silvius Wodarz Stiftung“ zeichnen die Baumart damit zum zweiten Mal nach 2001 als Jahresbaum aus. „Als Baum des Jahres 2027 steht die Gemeine Esche für zweierlei: für die Verantwortung, eine bedrohte Baumart und die mit ihr verbundenen Lebensgemeinschaften zu erhalten – und für die Hoffnung, dass die Anpassungsfähigkeit der Natur Wege in die Zukunft eröffnet“, erklärt die Stiftung.
Nicola Uhde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ergänzt: „Wir freuen uns, dass mit der Esche als Baum des Jahres 2027 eine heimische Baumart ausgewählt wurde, die uns als Baumart feuchter Standorte und Vertreterin der bedrohten Auwälder daran erinnert, wie wichtig Klimaschutz und die Renaturierung der Natur sind.“

Blick in die herbstliche Krone einer Esche. Die trockenen braunen Rispen entlassen geflügelte Nüsschen, die als „Schraubenflieger“ bis zu 100 Metern entfernt vom Mutterbaum landen können. — © FNR/ Martina Plothe
Was ist das Besondere an der Esche?
Die im Winter gut an ihren schwarzen Knospen erkennbare Esche wird bis zu 300 Jahre alt. Mit einer Wuchshöhe von 30 bis 40 Metern gehört sie zu den höchsten Laubbäumen Europas. Dies drückt auch ihr botanischer Name aus: Er leitet sich vom lateinischen „excelsitas“ ab, was Größe oder Erhabenheit bedeutet. Ihre Höhe erreicht die Esche vor allem durch das schnelle Wachstum der Jungbäume. Im Wetteifern um eine Lücke im Kronendach setzen sie auf Vorsprung durch rasches Längenwachstum und stellen Verzweigungen und Dickenwachstum zunächst zurück. Dadurch entsteht der typische hohe schlanke Stamm der Eschen mit seiner anfangs silbrig glatten Rinde. Erst nach rund 40 Jahren färbt sich die Rinde aschgrau und bildet Furchen.
Eschenreiche Wälder gehören zu den artenreichsten Waldökosystemen Deutschlands und bieten spezialisierte Lebensräume für unzählige Pilze, Flechten, Vögel, Insekten und Pflanzen. Europaweit sollen nach Angaben der Wodarz-Stiftung rund 1000 Arten mit der Esche vergesellschaftet sein. Ein Ausfall der Esche bleibt deshalb nicht ohne Folgen für Artenzusammensetzung, Waldstruktur und Boden. Wenn dieser Laubbaum im Herbst sein nährstoffreiches, leicht zersetzbares Laub abwirft, trägt dies zur Humusbildung und Nährstoffversorgung des Bodens bei. Das Eschenholz ist auch ökonomisch wichtig, es zählt zu Mitteleuropas wichtigsten Nutzhölzern. Zum Einsatz kommt es überall dort, wo Biegsamkeit, Zähigkeit, Festigkeit und Belastbarkeit gefragt sind: etwa im Bootsbau, beim Bau von Möbeln, Sportgeräten, Instrumenten oder zur Herstellung von Werkzeugstielen.
Wo kommt die Esche vor?
Die Esche ist in Bezug auf ihren Standort wenig wählerisch: Sie kommt mit Trockenheit gut zurecht, verträgt aber auch Überflutungen. Deshalb wachsen Eschen sowohl auf trockenen Kalkstandorten wie in feuchten Auwäldern. Fällt die Esche aus, geht eine Baumart verloren, deren große Standortbreite von keiner anderen Baumart allein erreicht wird.
Auwälder sind von großer Bedeutung für die Biodiversität, das Klima und den Rückhalt von Hochwasser, gleichzeitig gehören sie den am stärksten bedrohten Lebensräumen überhaupt. Nur etwa neun Prozent der verbliebenen Flussauen in Deutschland sind noch ökologisch intakt. Zunehmende Trockenheit und Hitze setzen den Auwäldern immer mehr zu. Die Esche steht stellvertretend für die Bäume dieser Auenlandschaften. Gleichzeitig macht die Anpassungsfähigkeit der Esche sie zu einer wichtigen Baumart im Klimawandel. In Mischwäldern kann sie beispielsweise helfen, die Folgen von Hitze und Dürre abzufedern.
Warum ist die Esche gefährdet?
Laut Bundeswaldinventur 2022 macht die Esche nur noch knapp zwei Prozent des bundesweiten Waldbestandes aus, Tendenz sinkend. Grund dafür ist das Eschentriebsterben zu, eine Pilzkrankheit, die die Gemeine Esche in ganz Europa bedroht. Auslöser ist das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus), ein Schlauchpilz aus Ostasien, der in Deutschland erstmals 2002 nachgewiesen wurde. Seine Sporen infizieren die Blätter, von dort wächst der Pilz in die Triebe des Baumes ein. Typische Zeichen des Eschentriebsterbens sind abgestorbene Triebe und welke, braun verfärbte Blätter. Nach und nach sterben dadurch Zweige und ganze Kronenteile ab, und geschwächte Bäume werden anfällig für weitere Schäden wie Fäule am Stammfuß.
Bisher gibt es gegen das Eschentriebsterben noch kein breit einsetzbares Mittel. Die größte Hoffnung liegt in der Esche selbst: Auch in stark geschädigten Beständen gibt es gesunde Einzelbäume, die offenbar eine genetische Resistenz gegen den Pilz besitzen. „Es hat sich gezeigt, dass einzelne Bäume eine natürliche Widerstandskraft gegen den Pilz haben“, erklärt Uhde. „Diese Exemplare müssen so lange wie möglich erhalten werden. Damit geben wir der Esche eine Chance, sich auf natürliche Weise an den Pilz anzupassen.“
Seit Oktober 2025 führt der Forschungsverbund „FraxForFuture 2 (FraxRecovery)“ zudem Projekte zur Wiedereinbringung toleranter Eschen in Waldökosysteme durch. Weitere Hoffnung macht das Bakterium Schauerella fraxinea, das als aussichtsreichster Kandidat für eine biologische Bekämpfung gilt. Dieser Mikroorganismus kann das Wachstum des Pilzes hemmen, wie erste Tests zeigen. Bis September 2028 stellt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe rund 7,6 Millionen Euro Fördermittel für den Schutz und Erhalt der Eschen zur Verfügung.
Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, BUND





