Wir leben heute im Holozän, doch die Wurzeln unserer Spezies liegen im Pleistozän. Es handelt sich dabei um den Zeitabschnitt in der Erdgeschichte, der vor etwa 2,6 Millionen Jahren begann und vor etwa 12.000 Jahren endete. Diese Ära war geprägt von einem Wechsel aus Kalt- und Warmzeiten. In den frostigen Phasen waren große Teile des Nordens von dickem Eis beziehungsweise von kalten Steppenlandschaften bedeckt, in denen Mammut und Co grasten. Doch auch in anderen Regionen wies die Erde andere Merkmale auf als heute: Der Meeresspiegel lag deutlich tiefer und so besaß unser Planet teils riesige Landflächen, die heute unter Wasser liegen. Es gibt bereits zahlreiche Hinweise darauf, dass es im Verlauf des Pleistozäns und seines Übergangs zur Jetztzeit auch zu intensiven Veränderungen der Bedingungen in vielen Regionen kam, die das Schicksal der Flora und Fauna und auch der Vertreter der Gattung Homo stark geprägt haben.
Die Entwicklung Südostasiens im Visier
In diesem Zusammenhang richten Julien Louys von der Griffith University in Brisbane und Patrick Roberts vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte nun den Fokus auf die Entwicklungen in einer bisher vergleichsweise wenig erforschten Region. Es ist bekannt, dass die heutigen Inseln Südostasiens im Pleistozän Teile einer riesigen Landfläche waren, die sich vom indochinesischen Festland bis weit in den Süden erstreckte. Aus Funden geht hervor, dass dort im mittleren Pleistozän vermutlich fünf Vertreter Hominini-gelebt haben, darunter auch Homo erectus. Südostasien ist deshalb eine wichtige Region für das Verständnis der Migration und des Aussterbens von Hominini- und Säugetierarten, sagen die Forscher.
Um Hinweise auf die Entwicklung der Lebensbedingungen in dieser Region in den letzten 2,6 Millionen Jahren zu gewinnen, haben Louys und Roberts Isotopenanalysen an zahlreichen fossilen Zähnen von Säugetieren von verschiedenen Fundorten Südostasiens durchgeführt. Wie sie erklären, ist anhand der Anteile bestimmter Kohlenstoff- und Sauerstoffisotope erkennbar, ob die Tiere vorwiegend Gräser oder Urwald-Vegetation gefressen haben und welche klimatischen Bedingungen zu ihren Lebzeiten herrschten. “Diese Analysen liefern uns Momentaufnahmen von der Ernährung dieser Arten und den Umweltbedingungen, in denen sie sich bewegten”, sagt Roberts.
Landschafts-Transformationen zeichnen sich ab
Die Ergebnisse zeigten, dass im frühen Pleistozän Regenwälder das Gebiet vom heutigen Myanmar bis in den Süden Indonesiens dominierten. Doch dann begannen sich Graslandschaften auszubreiten, die etwa vor einer Million Jahren ihre maximale Ausdehnung erreichten, zeichnet sich in den Ergebnissen der Isotopenanalysen ab. Diese Transformation der Landschaft war mit dem Aussterben zahlreicher an Tropenwälder angepasster Arten verbunden, sagen die Forscher. Möglicherweise verschwand so auch der größte bekannte Vertreter der Affen: der bis zu einer halben Tonne schwere Gigantopithecus. Dafür machten sich in den Savannen nun weidende Großtiere breit, wie das elefantenähnliche Stegodon. Vermutlich bot diese Landschaft auch günstige Lebensbedingungen für die Vertreter der Hominini, berichten Louys und Roberts.





