Eine Transplantation menschlicher Organe ist nur kurz nach der Entnahme möglich, da eine Tiefkühllagerung das Gewebe schädigen würde. Jetzt ist es kanadischen Wissenschaftlern gelungen, Eierstöcke von Ratten in flüssigem Stickstoff zwischenzulagern und dann erfolgreich zu transplantieren, berichtet sie im Fachblatt Nature (Bd. 415, S. 385).
Roger Gosden und seine Mitarbeiter von der McGill University in Montreal entnahmen Ratten einen Eierstock samt Eileiter und Gebärmutter. Nach spezieller Vorbehandlung wurden die Gewebe über Nacht in flüssigem Stickstoff gelagert, wieder aufgetaut und genetisch identischen Ratten implantiert. Bei vier der sieben Organempfängern konnte innerhalb der folgenden Wochen wieder ein normaler Ovulationszyklus nachgewiesen werden. Eine Ratte wurde sogar trächtig.
Die Möglichkeit, Teile der Geschlechtsorgane tiefgefroren zwischenzulagern, wäre für Frauen und Kinder von Bedeutung, die sich einer Krebsbehandlung unterziehen müssen. Eine Entnahme vor Beginn der aggressiven Chemotherapie und die spätere Wiedereinpflanzung könnte eine sonst unvermeidliche Sterilisierung verhindern.
“Unser Erfolg sollte dazu anregen, die Tiefkühltechnik auch für andere Organe zu verbessern”, schreiben die Wissenschaftler. Wenn das gelänge, könnten generell Organe für Transplantationen auf Vorrat gelagert und zur Verfügung gestellt werden. Versuche zur tiefgekühlten Lagerung von Nieren sind bisher fehlgeschlagen, da die Bildung von zellschädigenden Eiskristallen nicht verhindert werden konnte.
Joachim Czichos





