Die Alphaform des körpereigenen Zellstoffs Tumor-Nekrose-Faktor (alpha-TNF) kann beschädigte Nervenhüllen reparieren. Das haben Wissenschaftler der University of North Carolina in Chapel Hill mithilfe von Versuchen an gentechnisch veränderten Mäusen herausgefunden. Ihre Erkenntnisse könnten neue Wege bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Multiple Sklerose erschließen.
Der Zellstoff alpha-TNF ist in Expertenkreisen durchaus bekannt. Je nachdem, wo und in welcher Dosis er ausgeschüttet wird, beeinflusst er Entzündungsprozesse, hemmt das Zellwachstum oder fördert die Immunabwehr und Wundheilung. Seine Rolle als Nervenkitt dagegen wurde erst jetzt nachgewiesen.
Die Forscher um Jenny Ting hatten Mäuse gezüchtet, deren Gen für die alpha-TNF-Ausschüttung nicht funktioniert. Anschließend verabreichten sie diesen Mäusen und deren Artgenossen mit intakten Genen ein Gift, das wie bei Multipler Sklerose die fettige Ummantelung der Nerven beschädigt. Allein die Mäuse mit funktionstüchtigen Genen konnten den Schaden an der Nervenhülle beheben. Ein ausführlicher Bericht der Untersuchungen der Forscherteams wird in der Novemberausgabe der Fachzeitschrift Nature Neuroscience zu lesen sein.
Zerstörte Nervenhüllen zählen zum Krankheitsbild von Multiple-Sklerose-Patienten und sind für eine gestörte Impulsübertragung zwischen den Nerven verantwortlich. Dennoch warnt die Mikrobiologin Ting vor übertriebenen Hoffnungen: “Wir sind weit davon entfernt, mir unserem Wissen Patienten direkt helfen zu können.”
Andrea Hoferichter





