Der Rekord für die höchste Geschwindigkeit bei einer muskelbetriebenen Bewegung ist gebrochen: Die Soldaten einer südamerikanischen Termitenart können ihre Kiefer mit einer Geschwindigkeit von 70,4 Metern pro Sekunde oder 253,4 Kilometern pro Stunde zuschnappen lassen, haben amerikanische Forscher beobachtet. Damit schlagen die Insekten den erst vor einem knappen Jahr identifizierten bisherigen Rekordhalter, eine ebenfalls in Südamerika heimische Ameise, um 23 Kilometer pro Stunde. Entwickelt hat sich der schnelle Schnappkiefer wohl hauptsächlich, um auf möglichst engem Raum möglichst große Kräfte zu erzeugen und nicht, um schneller zu sein als der Gegner, glauben die Forscher.
Die Soldaten von Termes panamensis, so der offizielle Name des neuen Rekordhalters, schließen ihre Kiefer nicht wie andere Insekten, sondern lassen die beiden Teile übereinander schnappen. Dabei überwinden sie 1,76 Millimeter in nur 25 Mikrosekunden, also dem vierzigtausendsten Teil einer Sekunde. Das entspricht einer Beschleunigung von mehr als dem 280.000-fachen der Erdbeschleunigung, haben die Forscher errechnet.
Die Tiere erreichen diese enorme Geschwindigkeit dank einer besonderen Anatomie ihres Kopfes: Die Kiefer werden von vier Muskelgruppen bewegt, die so groß sind, dass die etwa die Hälfte des Kopfvolumens ausfüllen. Unter dem Kommando einer besonders geformten Stirnplatte wird die Energie, die in diesen Muskeln gespeichert ist, plötzlich freigesetzt. Damit diese ruckartige Bewegung kontrolliert abläuft, verläuft zusätzlich entlang des Kopfes noch ein starkes Stützband.
Die extrem schnelle Schnappbewegung kommt den Termiten in den beengten Gängen ihrer Nester zugute, erklären die Biologen. Sie erlaubt ihnen, auf engstem Raum eine große Kraft zu entwickeln und ihren Bau auf diese Weise effektiv zu verteidigen.
Marc Seid und Jeremy Niven (Smithsonian Tropical Research Institute, Panama): Beitrag auf dem 8. Internationalen Kongress für Neuroethologie, Vancouver ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





