Das Great Barrier Reef ist das größte Korallenriff und eines der vielfältigsten marinen Ökosysteme weltweit. Durch die Erwärmung der Erde und der Meere hat das berühmte Riff im Nordosten Australiens in den letzten Jahren jedoch eine Reihe von ausgedehnten Korallenbleichen erlebt, durch die ein großer Teil der Korallen abstarben und der gesamte Riff-Lebensraum beeinträchtigt wurde. Bei einer solchen Bleiche stoßen die Korallen durch den Hitzestress die symbiotischen Mikroalgen ab, die in ihrem Gewebe leben und ihnen ihre leuchtenden Farben verleihen. Ohne die Algen wird das weiße Skelett der Koralle freigelegt und nicht mehr mit Nährstoffen und Energie versorgt; die Korallen verhungern. Diese Korallenbleichen treten immer häufiger auf.
Doch wie stark hat sich die Meerestemperatur in dem Korallenmeer, in dem sich das Great Barrier Reef befindet, tatsächlich verändert und ist sie wirklich ausschlaggebend für die Massenbleichen? Bisher standen zur Beantwortung dieser Frage nur Messdaten aus der jüngeren Vergangenheit zur Verfügung.

Blick in die Vergangenheit des Korallenriffs
Ein Team um Benjamin Henley von der University of Melbourne hat nun die Temperaturen an der Meeresoberfläche in den letzten rund 400 Jahren rekonstruiert – von 1618 bis 1995. Dafür entnahmen die Forschenden Proben aus den Skeletten von Korallen an verschiedenen Stellen des Great Barrier Reefs und seiner Umgebung. Aus den Proben lässt sich mittels geochemischer Analysen auf das sommerliche Wachstum und damit auf die jährliche Meerestemperatur schließen. Die so erhaltenen Daten verglichen Henley und seine Kollegen mit den tatsächlich gemessenen Temperaturen an der Meeresoberfläche von 1900 bis 2024.
Dabei zeigte sich, dass die Temperaturen vor 1900 relativ stabil waren und kaum schwankten. Danach erwärmte sich der Ozean jedoch erst langsam und dann immer schneller, wie die Modellierungen ergaben. Neben natürlichen Klimaschwankungen wie dem El-Niño trug dazu vor allem der menschgemachte Klimawandel bei: „Unsere Klimamodellanalyse bestätigt, dass der menschliche Einfluss auf das Klimasystem für die schnelle Erwärmung in den letzten Jahrzehnten verantwortlich ist“, sagt Henley. Von 1960 bis 2024 beobachteten die Forschenden beispielsweise eine durchschnittliche Erwärmung des Korallenmeeres während der Wachstumsphase der Korallen von Januar bis März von 0,12 Grad Celsius pro Jahrzehnt.





