Videokonferenzen mit dem Haus- oder dem Facharzt könnten in Zukunft den persönlichen Arztbesuch verkürzen oder sogar unnötig machen. In einer Studie an einhundert Rheumapatienten erwies sich der “Arztbesuch am Bildschirm” als zuverlässig und kostensenkend. Das berichten die irischen Ärzte Paul Leggett und Kenneth Robertson im British Journal of General Practice.
Im Vergleich mit Arzt-Patienten-Telefonaten schnitten die Begegnungen am Bildschirm sehr gut ab. Nach der Videokonferenz mussten nur 6 Prozent der Patienten für weitere Untersuchungen in die Arztpraxis. Im Anschluss an Telefongespräche mussten dagegen etwa drei Viertel der Patienten ihren Arzt persönlich aufsuchen. Auch die Treffsicherheit von Diagnosen am Bildschirm war mit 97 Prozent deutlich höher als der Anteil richtiger Befunde nach Telefonaten. Hier konnten die Ärzte nur in 71 Prozent der Fälle eine richtige Diagnose stellen.
Während die am Versuch beteiligten Ärzte ihre Erfahrungen mit der Telemedizin fast ausnahmslos positiv einschätzten, hätten 42 Prozent der Patienten ihren Arzt dennoch gern in natura gesprochen. Leggett und Robertson gehen aber davon aus, dass der geringere Zeitaufwand und die Genauigkeit der Diagnosen für die meisten Patienten letztlich den Ausschlag geben und der Telemedizin zum Durchbruch verhelfen wird.
Vor allem in ländlichen Gebieten könnte die Telemedizin den langen Weg zum Allgemeinarzt oder Spezialisten ersetzen, glauben die Forscher. Für Paul Legett ist es deshalb nur eine Frage der Zeit, bis die meisten Ärzte neben der konventionellen auch die Tele-Medizin praktizieren werden.
Marion Herzog





