Es muss nicht immer brenzlig zugehen in der Unterwelt. Wenn die Maya nach ihrem Tod in das Reich der Seelen hinabstiegen, drohten ihnen keine lodernden Flammen, sondern nasse Füße. Im ausgehöhlten, wassergefüllten Bauch der mexikanischen Halbinsel Yucatan verorteten sie das Jenseits, das „Xibalba”. Dieser „Ort der Angst” bestand aus unzähligen Gängen und Kammern, in denen die Seelen Prüfungen bestehen, Kämpfe ausfechten und Leid ertragen mussten. Tiere, Mischwesen und Götter leisteten den Gepeinigten Gesellschaft. Den Zugang zur Unterwelt bildeten die „ Cenoten”, heilige Quellen, die sich, bis zu 150 Meter tief, kraterförmig in den weißen Kalkstein fressen.
Über diese Höllenpforten tauchten im vergangenen Sommer deutsche Wissenschaftler in die Unterwelt der Maya ab. Vier Wochen lang erforschten Florian Huber, der Leiter der Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie an der Universität Kiel, und vier seiner Kollegen das geflutete Labyrinth – für Archäologen ein ungewöhnliches Unterfangen. Normalerweise müssen die Altertumsforscher Zeugnisse der Vergangenheit aus dem staubigen Boden pulen. In Mexiko aber haben nicht nur die Erde und der Sand, sondern auch das Wasser die Spuren des Gestern verschluckt. Will man sie erforschen, muss man ihnen buchstäblich auf den Grund gehen.
Geköpft, erhängt, gesteinigt
Wer sich in die Unterwelt der Maya wagt, hat Böses zu befürchten. Das Volk, das in seiner Blütezeit in den ersten Jahrhunderten nach Christus die mexikanische Halbinsel Yucatan sowie Teile von Guatemala, Honduras und Belize beherrschte, war zwar schöngeistig veranlagt und hatte prächtige Stufenpyramiden, Paläste, Observatorien, fantastischen Schmuck, filigra-nes Kunsthandwerk sowie beeindruckende Kenntnisse in Mathematik und Astronomie. Zimperlich war es trotzdem nicht. Um ihre Götter gnädig zu stimmen, opferten die Maya Männer, Frauen und Kinder – aus den eigenen Reihen ebenso wie Gefangene von Nachbarvölkern. Auf Reliefs und Bildern hielten sie die Gräueltaten fest: Sie schlitzten den Opfern die Bäuche auf, zogen ihnen die Haut ab oder rissen ihnen das Herz aus dem Leib. Andere wurden geköpft, erhängt, gesteinigt, verstümmelt oder in den Cenoten ertränkt. Der kastilische Bischof Diego de Landa, der die Maya im 16. Jahrhundert missionierte, dokumentierte: „Sie verehren Cusmil und den Brunnen von Chicheniza so hoch wie wir die Wallfahrten nach Jerusalem und Rom, und deshalb fanden sie sich dort ein und opferten Gaben.” Vor allem der Regengott Chaak, eine Kreatur mit Menschenkörper und Schuppenhaut, der im Reich der Toten regierte, hatte an den ertränkten Opfern seine Freude, glaubten die Maya.
„Die Vorstellung, bei den Tauchgängen auf Knochen zu stoßen, war gruselig und reizvoll zugleich”, sagt Archäologe Huber. Sieben Cenoten und Höhlensysteme haben er und sein Team nahe der Ortschaft Tu- lum untersucht. Schätzungsweise 5000 bis 10 000 Cenoten durchlöchern die nördlichen Bundesstaaten Yucatan und Quintana Roo. „Wie ein Schweizer Käse” sähe das Land aus, findet Carmen Rojas Sandoval. Die Archäologin am mexikanischen Nationalinstitut für Archäologie und Geschichte hatte die Kieler Forscher für die Untersuchung der Höhlen mit ins Boot geholt. Ein gigantisches Netz aus Gängen, Röhren, Spalten und Kammern durchzieht den kalkhaltigen Boden der Halbinsel. Experten sprechen vom größten zusammenhängenden Höhlensystem der Welt. Hunderte Kilometer ist es lang – wie lang genau, weiß bis heute niemand.
Den größten Abschnitt, den sich die Kieler Forscher vom Institut für Ur- und Frühgeschichte vorgenommen haben, ist ein etwa 30 Kilometer langes Labyrinth, genannt „Toh Ha” – nach einer Eisvogelart, die gerne an den Cenoten siedelt. Durch eine hüfttiefe Pfütze und einen Riss im Fels darunter zwängten sich die Taucher in Yucatans Kellergeschoss. „Ist man durch den schmalen Eingang geflutscht, tut sich eine große, breite Höhle auf”, erklärt Huber. „Danach geht der Weg weiter – mal breit, mal schmal, mal steil nach oben, mal senkrecht nach unten. Es gibt Stellen, wo man kaum durchkommt, und andere, die so groß sind wie Kathedralen. Auf den ersten Metern wird man vom Sonnenschein begleitet. Danach wird es dunkler als dunkel. Man durchquert Orte, wo noch nie die Sonne war und wo sie nie sein wird.”
ALIENS IN DER DUNKELHEIT
Den Maya wies ein Totenhund den Weg ins Jenseits. Den Tauchern hilft ein Nylonseil mit Richtungspfeilen. Das vom Kalkboden gefilterte Wasser ist extrem klar. Weiß leuchten die von den Lampen der Taucher angestrahlten Höhlenwände. Glitzernd stechen Stalaktiten und Stalagmiten hervor. Die ausgebleichten Fische, Krebse und Garnelen, die in der ewigen Dunkelheit hausen, wirken wie Aliens. Eine falsche Bewegung aber genügt – und aus dem spiegelklaren Wasser wird eine milchige Brühe. Schon die Luftbläschen aus dem Mundstück der Taucher lösen den Kalk von der Höhlendecke. Wie verirrter Schnee rieselt er herab. Ein unbedachter Flossenschlag oder ein abgebrochener Stalaktit erzeugen ganze Flockenwirbel. Tagelang kann der Kalk die Sicht trüben, weil es in einigen Höhlen kaum Strömung gibt. Für Huber und sein Team, die sich in Merino-Unterwäsche und in hauchdünnen Trockentauchanzügen durch das Labyrinth schlängelten, galt, was für alle Höhlentaucher Pflicht ist: nirgends anecken, ruhig bleiben, umsichtig sein.
20 Minuten und gut 250 Meter vom Eingang des Labyrinths entfernt, machten die Taucher ihre erste Ausbeute: die Reste einer Feuerstelle. „Die Holzkohle lag in einem großen Haufen, pechschwarz wie an Land und so schön drapiert, als wäre sie nicht in Wasser, sondern in Watte gepackt”, beschreibt Huber. Er vermaß und kartierte die Fundstelle, machte Fotos, nahm ein paar zwei-Euro-große Holzstücke als Probe mit und verstaute sie in einem Klarsichtbeutel – gerade so, als hätte er festen Boden unter den Füßen. Doch Yucatans Unterwelt ist voller Wasser. Was also macht eine Feuerstelle dort? Wie kommt die Holzkohle in die Höhle? Wer hat dort gezündelt?
Die Maya könnten in den nassen Grotten getaucht haben, um ihre Opfergaben im Wasser zu deponieren. Versunkene Altäre und in Stein gemeißelte Opfernischen zeugen davon. Weder die Strömung noch der Zufall haben sie an ihren Platz gebracht. Menschen müssen am Werk gewesen sein. Der Weg, den die Taucher dafür zurücklegen mussten, war lang. Einmal Luftanhalten reichte nicht. Wie aber machten sie es dann?
Die Wissenschaftler rätseln. Die Fantasie sucht nach Antworten. Auf einem Tempel in Tulum haben die Maya einen Gott mit einem seltsamen Behälter dargestellt – einen vom Himmel herabtauchenden Herrscher? Doch womöglich ist die Darstellung gar nicht jenseitig. Vielleicht zeigt sie Maya aus Fleisch und Blut, die sich Tauchermasken oder Taucherglocken übergestülpt haben. Vielleicht taten die Maya das, was sich der Science-Fiction Autor Jules Verne vor 150 Jahren ausmalte: hohle Bambusstangen ineinander schieben und mit Gummi verkleben, um damit Hunderte Meter weit zu tauchen. Doch Florian Huber lässt solche Szenarien platzen: „Mit zusammengesteckten Bambusstangen zu tauchen ist unmöglich. Die Luft bleibt in den langen Rohren gefangen. Man würde den eigenen Atem immer wieder einsaugen und daran ersticken.” Ebenso unmöglich wie lange Tauchgänge ohne Druckluft sind Feuer unter Wasser. Die Maya können die Flammen nicht entfacht haben, weil die Höhlen schon zu ihrer Zeit unter Wasser standen. Wer aber war es dann? Der Verdacht der Wissenschaftler fällt auf die Ureinwohner Amerikas. Man weiß nicht genau, wann und auf welchem Weg die ersten Menschen den Kontinent betraten. Die gängigste These lässt die Pioniere aus der Steinzeit vor etwa 13 000 Jahren über die Beringstraße einwandern, die damals Sibirien mit Nordamerika verband. Die ältesten bekannten menschlichen Spuren aus Yucatan sind etwa 4000 Jahre alt.
UNTERIRDISCHEs LAGERFEUER
Hubers Holzkohle, die er in Toh Ha eingesammelt hat, toppt sie locker. 8400 Jahre hat ihr das Leibniz Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung in Kiel attestiert. Damit wird der Einzug der ersten Einwanderer auf die Halbinsel deutlich vorgerückt – und die Siedlungsgeschichte Amerikas weitergeschrieben. Pyrotechnisch gesehen war ein Lagerfeuer in den Höhlen vor 8400 Jahren möglich, weil der Meeresspiegel damals etwa 65 Meter tiefer lag als heute. Das schon früher vom Regenwasser gegrabene unterirdische Labyrinth war ehemals trocken, wie die Stalaktiten und Stalagmiten noch heute zeigen. Nur ein Fluss zog in Toh Ha seine geregelten Bahnen – und die Menschen an.
Nach dem Ende der letzten Eiszeit schmolzen die Gletscher. Wasser flutete die Höhlen. Statt Menschen fanden die Alienfische in ihnen ein Zuhause. Ein Gutes hatte die Vorzeit-Flut: Sie konservierte das Vermächtnis der Vergangenheit. Die Temperatur in den Höhlen liegt bei konstanten 26 Grad, die Strömung ist schwach, die Dunkelheit beständig. Über der Erde setzt das tropische Klima den Relikten zu, mit seiner Feuchtigkeit, der prallen Sonne, den Pflanzen und Tieren. „Höhlen sind wie Zeitkapseln”, sagt Huber. „Wir betreten sie ähnlich wie ein Kommissar einen Tatort. Nur ist das, was wir untersuchen, nicht vor Stunden, sondern vor Jahrtausenden passiert. Trotzdem hat sich wenig verändert.” Höhlen dienten unseren Vorfahren als Refugium, Behausung, Spielwiese und Abfallgrube. In Frankreich pinselten Steinzeit-Picassos vor rund 17 000 Jahren atemberaubende Felsbilder auf Höhlenwände. Auf der Schwäbischen Alb schnitzten die Menschen schon etliche Generationen früher, vor etwa 40 000 Jahren, Figuren aus Elfenbein – die ältesten bekannten Kunstwerke weltweit.
Welche Geheimnisse und Geschichten in den Höhlen der Welt sonst noch verborgen sind, lässt sich nur erahnen. Geflutete Hohlräume wie jene auf Yucatan sind weiße Flecken in der Forschungslandschaft. In Deutschland haben Taucher in der schwäbischen Wimsener Höhle und im Blautopf bronzezeitliche Menschenknochen, keltische Schwerter und mittelalterliche Keramik herausgefischt. Handfester Ansporn für Wissenschaftler – doch die zögern. Die Kieler Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie, die unter Hubers Leitung steht, ist die Einzige ihrer Art in Deutschland.
DIE TODESOPFER VON HEUTE
Kein Wunder, denn das Wagnis der Höhlentaucher ist groß. In Nordamerika, wo es ebenfalls viele Unterwasserhöhlen gibt, zählt man seit den 1960er-Jahren an die 600 Tote. Die Taucher hatten sich verirrt, waren in den Tiefenrausch gefallen oder erstickt. Auch im schwäbischen Blautopf und in den Höhlen Mexikos kommen immer wieder Menschen ums Leben. Damit die Ausflüge in die Unterwelt nicht zum Fluch werden, nehmen es die deutschen Wissenschaftler in Yucatan mit ihrer Ausbildung genau: Sie sind geprüfte Forschungstaucher und auf das Höhlentauchen spezialisiert.
Für die Maya waren die gefluteten Höhlen ein Segen. Ohne die unterirdischen Wasserspeicher wäre ihre Kultur wohl nie richtig aufgeblüht. Denn oberirdische Seen und Flüsse gibt es im Norden Yucatans nicht. Obwohl es der Regengott Chaak gut meint und übers Jahr verteilt doppelt so viel Niederschlag auf die Halbinsel herabregnen lässt wie auf Deutschland, versickert das Wasser in Windeseile im porösen Kalkboden. Unter der Erde trifft das Süßwasser auf das salzige Meerwasser. Weil das Süßwasser leichter ist als das Salzwasser, schwimmt es obenauf und kann genutzt werden. Während sich die Ägypter aus dem Nil, die Sumerer aus dem Euphrat, die Inder aus dem Ganges bedienten, schöpften die Maya aus ihrem großen unterirdischen Strom.
Die Cenoten waren für die Maya nicht nur lebenswichtige Brunnen, sondern auch Orte, an denen sie Tote versenkten. Gingen sie dadurch nicht ein hohes Risiko ein? Liefen sie nicht Gefahr, mit den Leichen das Wasser zu verseuchen? Ist die Geschichte von den versenkten Körpern am Ende nur eine Legende? „Keineswegs”, sagt Huber. Er selbst hat in der Höhle Toh Ha Maya-Knochen gesichtet. In einem Seitenarm des Labyrinths liegen eine Schädelplatte, Arm- und Beinknochen und nicht weit davon entfernt zwei 50 Zentimeter große Amphoren aus gebranntem Ton. „Sehr wahrscheinlich eine Opferstelle”, sagt Huber. Toh Ha ist nicht die einzige bekannte Leichenhalle in Yucatans Unterwelt. Aus dem Wasserloch von Chichen Itza wurden bislang 42 Schädel und Hunderte von Opfergaben aus Gold und Jade geborgen. Die Hälfte der Toten waren drei- bis elfjährige Kinder. Ihre Knochen sind gezeichnet: von feinen Schnitten über der Stirn und dem Schlüsselbein, Löchern an den Hinterköpfen und Kratzspuren an den Schienbeinen. Der schaurige Schluss: Den Kinderopfern wurde die Haut abgezogen, der Schädel eingeschlagen, das Fleisch von den Knochen geschabt. Etwa 95 Kilometer östlich von Chichen Itza sind die Reste eines weiteren Massengrabs noch fast unerforscht. Mindestens 120 Skelette liegen am Boden der Cenote „Las Calaveras” , die sich flaschenförmig in den Boden senkt. 2008 hat die Archäologin Carmen Rojas Sandavol begonnen, sie systematisch zu untersuchen. Und Florian Huber hat Proben der Knochen mit nach Deutschland genommen.
DNA-Analyse – Ein Glücksspiel
Doch so leicht wollen die menschlichen Überreste ihre Geschichte nicht preisgeben. Da die Knochen jahrhundertelang im Wasser lagen, haben sich ihre Proteine und ihre Zellen verändert – und somit auch ihre DNA. Die Analyse des Erbguts ist ein Glücksspiel. Der erste Versuch schlug fehl. Die Rechtsmediziner der Universität Kiel, die Hubers Knochenproben aus Las Calaveras untersuchten, konnten keine brauchbare DNA extrahieren. Im benachbarten Leibniz-Labor liefen die Dinge besser: Mit Hilfe der C14-Methode wurde das Alter der Gebeine bestimmt. Sie sind weit älter als gedacht: Im 3. oder 4. Jahrhundert n.Chr. wurden sie in der Cenote versenkt. Huber hatte auf das 10. Jahrhundert getippt. „Dass die Knochenprobe in die Blütezeit der Maya fällt, hat uns überrascht. Wir sind davon ausgegangen, dass die Toten ähnlich alt sind wie jene in Chichen Itza. Jetzt müssen wir sehen, was die anderen Daten aus der Cenote hergeben. Vielleicht wurden die Körper weniger ausgewählter Menschen über viele Jahre hinweg dort deponiert oder aber viele in kurzer Zeit. Wir können es kaum abwarten, weitere Proben zu sammeln.”
Ganz oben steht die Frage nach der Identität der Toten. Waren sie Kriegsgefangene, die in den Cenoten daran glauben mussten? Für ein solches Gemetzel spricht, dass einige der untersuchten Schädel Schnittmarken aufweisen – die typischen Zeichen einer Opferung. Nicht ausgeschlossen ist aber auch ein harmloses Szenario. Vielleicht war Las Calaveras eine Art Unterwasserfriedhof, wo Kriegsopfer und Kranke ihre letzte Ruhe fanden. Tote in Höhlen zu begraben, war bei den Maya nicht ungewöhnlich. Manchmal quartierten sie die im Boden vermoderten Leichen auch nachträglich in die Cenoten um, damit die ihren Ahnen näher waren. Dass die Leichen dabei das kostbare Trinkwasser kontaminierten, wussten die Maya wohl zu verhindern. „ Wahrscheinlich war ihnen bekannt, ob eine Cenote abgeschlossen war oder mit dem restlichen Höhlensystem verbunden”, vermutet Huber. „Oder sie entnahmen das Wasser weit genug entfernt von den Opferplätzen.”
In diesem Sommer werden die Kieler Forscher nach Yucatan zurückkehren, um Antworten auf diese und weitere Fragen zu finden. Vielleicht erwischen sie dabei einen der fünf Tage im Jahr, an denen sich in der Vorstellung der Maya die Tore zur Unterwelt öffnen. „Unglückstage” wurde diese Zeit genannt. Für die Höhlentaucher wären sie ein Glücksfall. ■
Während eines Mexiko-Urlaubs planschte die Südtiroler Wissenschaftsjournalistin BETTINA GARTNER in einer Cenote – ohne zu ahnen, welche versunkenen Schätze sich darin befinden könnten. Der Kieler Fotograf ULRICH KUNZ hat das Forscherteam im Herbst 2009 auf dem Höhlentrip begleitet.
von Bettina Gartner (Text) und Ulrich Kunz (Fotos)
KOMPAKT
· Unterwasser-Archäologen haben in Höhlen der mexikanischen Halbinsel Yucatan menschliche Überreste entdeckt.
· Die Maya haben hier Tote versenkt – ob sie Opfer aus den eigenen Reihen waren oder Feinde, ist noch nicht geklärt.
· Die Forschungstaucher fanden auch Relikte aus prähistorischer Zeit.
Florian Huber
Wenn sich ein Bayer an die Ostsee verirrt, muss ihn eine Leidenschaft treiben: Bei Florian Huber, 34, war es die Lust am Tauchen. Bereits als Jugendlicher tummelte er sich in tropischen Gewässern. Doch sein Arbeitsplatz in Kiel ist rau: Im Winter 3 statt 28 Grad, und statt Schildkröten erwartet ihn im Hafen höchstens eine Krabbe. Als Gaststudent aus München, wo er Ur- und Frühgeschichte studierte, kam er 2000 nach Kiel. Ein Jahr wollte er bleiben, zehn Jahre sind es mittlerweile geworden. Mit seiner Arbeitsgruppe für maritime und limnische Archäologie sucht er nach versunkenen Relikten. Am 26. Dezember 2004, dem Tag des verheerenden Tsunami, tauchte er auf den Malediven: „Ich wurde unter Wasser herumgeschleudert wie in einer Waschmaschine. Ohne meine Ausbildung zum Forschungstaucher hätte ich vielleicht nicht die notwendige Ruhe bewahrt, um wieder sicher nach oben zu kommen.”
FILM
Beim Tauchgang der Kieler Forscher sind spektakuläre Filmaufnahmen entstanden. Schauen Sie den Archäologen bei ihrer Arbeit unter Wasser zu! Folgen Sie dazu dem Link auf www. wissenschaft.de
INTERNET
Kieler Forschungsarbeit in Mexiko: www.mexiko.amla-kiel.de
Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel: www.uni-kiel.de/ufg
LESEN
Nikolai Grube (Hrsg.) Maya, Gottkönige im Regenwald Ullmann, Königswinter 2007, € 29,95
Inés de Castro (Hrsg.) Maya – Könige aus dem Regenwald Katalog zur Sonderausstellung in Rosenheim und Hildesheim Gerstenberg, Hildesheim 2007, € 19,90
M. E. Leshikar-Denton, P. L. Erreguerena Underwater and Maritime Archaeology in Latin America and the Caribbean Left Coast Press, Walnut Creek 2008 ca. € 65,–
Abgründe im Maya-Reich
Maya-Könige beherrschten bis ins 9. Jahrhundert die Halbinsel Yucatan. Die natürlichen Einsturzlöcher (Cenoten) versorgten ihre Stätten mit Trinkwasser.
Unterwegs im HÖHLENSYSTEM TOH HA
Vom Eingang bis zur Feuerstelle sind es 256 Meter – komplett unter Wasser. Unterwegs machte das Taucherteam seine spektakulären Entdeckungen und vermaß die langgestreckte Höhle mit moderner Technik in 3D. Wie ein Ariadnefaden lotste ein Nylonseil die Taucher wieder aus dem dunklen Labyrinth heraus.





