Biologen vermuten, dass das gemeinsame Schwingen der Tanzflosse für die Stabilität der Beziehung wichtiger ist als der Geschlechtsverkehr. Durch ihr tägliches gemeinsames Schwofen – sowie, in größeren Abständen, die langen „Hochzeitstänze“ – können die Tiere jedenfalls nicht nur für eine technisch präzise Übergabe der weiblichen Eizellen üben. Es ist ihnen auch möglich, ihre reproduktiven Zyklen, die durch Geschlechtshormone gesteuert werden, einander anzugleichen: Die nächsten weiblichen Eizellen werden dann genau zu dem Zeitpunkt reif, an dem der „Gatte“ die Geburt hinter sich gebracht hat – und es kommt gleich im Anschluss wieder zur Paarung.

Die Eiübergabe wird geübt. · Foto: © picture alliance / WILDLIFE / W.Fiedler
Der eigentliche Hochzeitstanz, der den Geschlechtsakt einleitet, kann bis zu neun Stunden dauern – und wird alle paar Wochen wiederholt. Zumindest die Dutzende von Seepferdchenarten, die in tropischen Meeren leben, paaren sich nämlich das ganze Jahr über. Zu Beginn schwimmt das Weibchen dann Richtung Wasseroberfläche, deutet mit der Schnauze zum Himmel und streckt seinen Körper kerzengerade aus. Eine Pose, die auf das Männchen unwiderstehlich wirkt und anzeigt, dass es nun zur Sache geht. Der Hengst der Meere drückt daraufhin sein Kinn gegen die Brust und lässt seinen Greifschwanz wie die Klinge eines Taschenmessers vor und zurück schnappen. So pumpt er Wasser in seine Bauchtasche und präsentiert, wie geräumig diese ist.
Bald darauf schmiegen sich beide Seepferdchen aneinander und lassen sich weiter Richtung Wasseroberfläche treiben. Dann stülpt sich aus der Körpermitte des Weibchens ein röhrenförmiges Organ, das an einen Penis erinnert – der Ovipositor. Auf dem Höhepunkt des Liebesspiels spritzt das Weibchen seine Eier in die Bauchtasche des Männchens. Der Partner befruchtet sie mit seinen Spermien und schließt seine Bauchtasche, die sich erst wieder zur Geburt des Nachwuchses öffnen wird. Danach lösen sich die Tiere voneinander und verbringen den Rest des Tages getrennt. Denn bei der Jagd sind Seepferdchen Einzelgänger. Sie lassen sich von Meeresströmungen umhertreiben – oder hängen entspannt irgendwo herum, bis Beute angeschwommen kommt.









