Britische Ingenieure wollen ein Gerät entwickeln, das Herzströme schon aus einiger Entfernung messen kann. Das könnte beispielsweise die Untersuchung von Patienten erleichtern, denen aufgrund schwerer Verbrennungen nur schlecht Elektroden auf der Haut angebracht werden können. Außerdem würde die Methode die Genauigkeit eines Elektrokardiogramms, kurz EKG, verbessern, sagen die Entwickler. Erste Ergebnisse ihrer Forschungen sind vielversprechend: Der “Super-Sensor” kann den Herzschlag einer Person aus einem Meter Abstand aufzeichnen, berichtet der New Scientist.
Bei einem EKG werden die winzigen Spannungsänderungen auf der Oberfläche der Haut gemessen, die der elektrischen Aktivität im Herzen entsprechen. Der Hautkontakt verzerre dabei allerdings die Messung, weil der Strom leicht abgeleitet werde, erklärt Terry Clark, Ingenieur der Elektronik an der University of Sussex in Brighton. “Man bekommt ein schwächeres und verzerrtes Signal. Das Beste wäre, keinen direkten Kontakt zur Haut herzustellen”, sagt Clark.
Die Wissenschaftler wollen nun den so genannten Verschiebungsstrom für die Messung der Herzströme nutzen. Der Verschiebungsstrom gibt die feinen Änderungen des elektrischen Feldes in der Luft an, die entstehen, wenn sich die Spannung der Hautoberfläche ändert. Um diese geringen Ströme zu erfassen, brauchen die Ingenieure einen Sensor, der einen höheren Widerstand als die Luft zwischen Körper und Messgerät hat – was nicht gerade einfach ist, da der Widerstand von Luft sehr hoch ist. Sonst würde der Sensor ebenso wie die gewöhnliche EKG-Elektrode das Signal verzerren.
Der von Clark und seinem Team entwickelte Super-Sensor besteht aus einer etwa einen Zentimeter großen Kupferscheibe. Mit einer Vielzahl von elektronischen Rückkopplungssystemen hat es Clarks Team nun geschafft, deren Widerstand um ein Vielfaches höher als den der Luft zu machen.
Ob das neue Gerät wirklich ? wie die Forscher behaupten ? die genauesten EKGs aller Zeiten produziert, muss laut Ary Goldberger unabhängig überprüft werden. Wenn die Idee der Briten wirklich funktioniert, könnte der Super-Sensor allerdings ein großer Fortschritt sein, sagt der Herzspezialist von der Universität Harvard.
Cornelia Pfaff





