Die Wüste Lut – auch als Dasht-e Lut bekannt – liegt im Südwesten des Iran in einem von Bergen umgebenen Talbecken. Ihr Name bedeutet so viel wie “karges Land ohne Vegetation”. Weil sie im Regenschatten der Gebirge liegt, fallen dort im Schnitt nur 30 Millimeter Regen pro Jahr. Gleichzeitig ist diese Wüstenlandschaft starken Fallwinden ausgesetzt, die das Kalkgestein des Untergrunds zu kilometerlangen, bis zu 150 Meter hohen Felsformationen geschliffen haben und die an anderen Stellen hohe Sanddünen aufgetürmt haben. Wegen des teils dunklen Gerölls, der Tallage und der starken Sonneneinstrahlung steigen die Temperaturen in der Wüste Lut bis auf Rekordwerte: Satelliten der NASA haben dort schon Oberflächentemperaturen von 80,8 Grad nachgewiesen. “Die Wüste Lut wird deshalb auch als “Hitzepol der Erde” bezeichnet”, erklären Martin Schwentner vom Naturhistorischen Museum Wien und seine Kollegen.
Süßwasserkrebse inmitten der Wüste
Wasser gibt es in der Wüste Lut kaum: Das einzige ganzjährig wasserführende Gewässer ist der Fluss Rud-e Shur, der aber einen extrem hohen Salzgehalt aufweist. Davon zeugen dicke Salzkrusten an seinen Ufern. Permanente Süßwasserquellen gibt es dagegen nicht. Nur nach starken Regenfällen bilden sich im Frühjahr manchmal kurzzeitig Süßwasser-Tümpel, die dann zu einer wichtigen Ressource für die wenigen tierischen Bewohner dieser extremen Wüste werden. Um die Ökologie, Geomorphologie und Paläontologie dieses einzigartigen Lebensraums besser zu erforschen, haben Wissenschaftler zwischen 2015 und 2017 insgesamt drei Expeditionen in die Wüste unternommen. Im Jahr 2017 – nach einem der seltenen Regenfälle – wurden sie bei der Untersuchung eines der temporären Tümpel fündig: Sie fingen mehrere Exemplare sogenannter Feenkrebse – auch als „Urzeitkrebse“ bekannt.
“Die Entdeckung der Krebstiere in der sonst sehr heißen und trockenen Umgebung war für uns Wissenschaftler wirklich eine Sensation”, sagt Co-Autor Hossein Rajaei vom Naturkundemuseum Stuttgart. Die Feenkrebse sind dafür bekannt, schon seit Urzeiten auch unter wechselnden Bedingungen und in häufig austrocknenden Gewässern überdauern zu können. Im Gegensatz zum “klassischen” Urzeitkrebschen Artemia sind sie jedoch Süßwasserbewohner. Als die Forscher ihre Funde näher untersuchten, stellte sich heraus, dass es sich um eine ganz neue Art der Feenkrebse handelte. Sie bekam den wissenschaftlichen Namen Phallocryptus fahimii – nach dem iranischen Biologen und Umweltschützer Hadi Fahimi, der 2017 ebenfalls an der Expedition teilgenommen hatte, aber 2018 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Wie Schwentner und seine Kollegen feststellten, unterscheidet sich Phallocryptus fahimii sowohl in ihrem Aussehen wie auch genetisch von den vier bisher bekannten Arten dieser Krebsgattung.





