Flugpassagiere haben wahrscheinlich ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Zu diesem Schluss kam ein hochkarätig besetztes Expertenseminar bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch die Vertreter von 16 Fluggesellschaften und dem internationalen Luftverkehrsverband (IATA) hätten die Gefahren anerkannt und sich für eine umfassende Studie eingesetzt, sagte John Scurr vom britischen Middlesex and University College-Krankenhaus am Dienstag in Genf.
Der Name “Touristenklasse-Syndrom” sei aber irreführend. “Auch wer den vollen Preis bezahlt, ist dem Risiko ausgesetzt”, sagte Scurr. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass Sitzgröße und -design die Gefahr beeinflussten. Auch sei nicht erwiesen, ob die Länge des Fluges das Risiko erhöhe.
Ob die Empfehlung vieler Fluggesellschaften, viel zu trinken und sich während des Fluges zu bewegen, das Thromboserisiko mindere, sei wissenschaftlich nicht nachgewiesen, sagte der WHO-Direktor Derek Yach. Dagegen sei aber nichts einzuwenden, weil es auf jeden Fall das allgemeine Wohlbefinden erhöhe.
Blutgerinnsel in Beinvenen werden nach Angaben von Scurr oft erst Tage später oder gar nicht bemerkt. Deshalb sei es auch schwierig, die Zahl der Fälle anzugeben. Das britische Wissenschaftsmagazin “New Scientist” hatte im Januar hochgerechnet, dass in Großbritannien 2000 Menschen im Jahr an einer Venenthrombose nach einem Flug sterben.
Ob die Einnahme von Aspirin das Risiko einschränken könne, ist nach Angaben von Scurr umstritten. Studien hätten gezeigt, dass Aspirin das Blut in den Arterien verdünne, nicht aber in den Venen. Er selbst nehme allerdings Aspirin vor Flügen.
Nach Angaben von Scurr sind wahrscheinlich Passagiere betroffen, die andere Risikofaktoren aufweisen: die Einnahme von Hormonen oder eine Neigung zu Blutgerinnseln, Fettleibigkeit und Krebs. “Wer davon betroffen ist, sollte seinen Arzt fragen, bevor er fliegt”, sagte Scurr.
Die WHO will in den nächsten sechs Wochen eine Studie mit bis zu 100.000 Passagieren organisieren. Weltweit sollen Passagiere vor und nach Flügen befragt und untersucht werden. Dabei sollten folgende Fragen geklärt werden: Wie häufig ist das Problem? Gibt es im Flugzeug besondere Risikofaktoren? Lässt sich die Thrombosegefahr durch Vorbeugemaßnahmen wie Bewegung während des Flugs oder Stützstrümpfe verringern? Die Ergebnisse würden frühestens in eineinhalb bis zwei Jahren vorliegen.
dpa





