Oralsex kann das Risiko für Krebs im Mund- und Rachenraum erhöhen. Bei dieser Sexualpraktik gelangt das so genannte Humane Papillomavirus (HPV) über die Schleimhäute der Genitalien in den Mund des Partners und kann dort bei Männern wie bei Frauen zu Krebs führen. Besonders gefährdet ist, wer Oralverkehr mit häufig wechselnden Partnern praktiziert, haben amerikanische Mediziner herausgefunden. Die Forscher regen daher an, die Impfungen gegen die HP-Viren auch bei Jungen und Männern zu erproben. Gegen HPV werden derzeit nur Mädchen und junge Frauen geimpft, da das Virus Gebärmutterhalskrebs auslösen kann.
Die Forscher nahmen Blut und Speichelproben von 86 Männern und 14 Frauen mit Krebs im Mund- und Rachenraum. Sie fragten nach den Lebensgewohnheiten der Patienten und den Sexualpraktiken. Diese Befunde verglichen sie mit den Daten von 200 gesunden Probanden. Dabei zeigte sich, dass die orale Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) der größte Risikofaktor für den Krebs ist ? noch vor dem Rauchen und Alkoholkonsum. Personen, die Oralverkehr praktizieren, haben mit häufigeren Partnerwechseln ein steigendes Risiko für einen durch HPV hervorgerufenen Mundkrebs. So haben Menschen mit sechs Oralsexpartnern ein rund 9fach höheres Risiko für Mundkrebs als Personen ohne Neigung zu Oralsex.
Die HP-Viren können über Jahre im menschlichen Körper inaktiv sein, bis sie etwa zu Genitalwarzen oder Geschwüren führen. Bei rund 60 Prozent der Bevölkerung sind Antikörper gegen das HP-Virus im Blut gefunden worden, was auf eine vergangene oder aktuelle Virusinfektion hindeutet. In den meisten Fällen zeigen sich gar keine Symptome, doch steigt besonders bei den Hochrisikovarianten des HP-Virus, etwa HPV-16, bei Frauen die Gefahr für den Gebärmutterhalskrebs.
HPV-16 ist nach den Ergebnissen der Forscher auch ein Hauptauslöser von Mundkrebs. Sie empfehlen daher, auch die Wirkung der vorhandenen Impfungen gegen HPV-16 auf die Entstehung von Mundkrebs zu erproben. Da im Speichel der Patienten Spuren der HP-Viren gefunden wurden, könnte aus einem Speicheltest eine einfache Screeningmethode für Risikopatienten entstehen, erklären die Forscher.
Maura Gillison (Johns-Hopkins-Universität, Baltimore) et al.: New England Journal of Medicine, Bd. 356, S. 1944 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





