Tiere kalter Klimazonen können besser mit der globalen Erwärmung zurechtkommen als ihre Artgenossen aus wärmeren Regionen. Diesen scheinbaren Widerspruch ergibt eine Untersuchung des amerikanischen Biologen Jonathon Stillman zum Einfluss des Klimawandels auf Porzellankrebse. Darin konnten Krebse aus kalten Gewässern besser auf Temperaturerhöhungen reagieren als ihre Artgenossen aus warmen Meeren. Stillman veröffentlicht seine Studie im Fachmagazin Science (Ausgabe vom 4. Juli).
Zu dem überraschenden Ergebnis kam der Wissenschaftler von der Stanford-Universität in Kalifornien, als er die Temperaturtoleranz von vier Krebsarten der Gattung Petrolisthes (Porzellankrebse) untersuchte. Zwei der Arten stammten aus den kalten Küstengewässern Kanadas, die anderen beiden aus dem warmen Golf von Kalifornien. In seinem Experiment testete Stillman, wie lange die Tiere einen kontinuierlichen Anstieg oder Abfall der Temperatur überlebten.
Die Krebse aus den kalten Gewässern konnten einen größeren Temperaturanstieg tolerieren als die Warmwasserarten. Als bester Überlebenskünstler stellte sich die Art Petrolisthes eriomerus aus dem kältesten Lebensraum heraus. Diese Art hielt zwar insgesamt nicht so hohen Extremtemperaturen stand, aber sie war in der Lage, ihre Hitzetoleranzgrenze um zwei Grad Celsius nach oben zu verschieben. Damit dürfte sie auch den für die globale Erwärmung vorhergesagten Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius überstehen.
Die Warmwasserkrebse bekommen dagegen in ihrem Lebensraum bereits in warmen Sommern Temperaturen nahe ihrer Toleranzgrenze zu spüren. Sie waren im Experiment nicht in der Lage, ihre Temperaturtoleranz weiter zu erhöhen. Ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um einige Grad könnte daher für sie lebensbedrohlich werden. Dies könnte auch auf andere Tierarten in warmen Regionen zutreffen, die mit einer Anpassung an hohe Temperaturen ihre Toleranz eingebüßt haben.
ddp/bdw ? Christine Harbig





