Kinder, deren Väter in Sellafield radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren, tragen ein erhöhtes Krebsrisiko. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Nuklearindustrie gesponsorte Studie. Sie vermehrt die wachsende Beweislast, dass Strahlenschäden von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden können, berichtet die Fachzeitschrift New Scientist in ihrer Online-Ausgabe (20.06).
Die Wissenschaftler um Heather Dickinson von der Universität in Newcastle werteten das Schicksal von mehr als 10.000 Kindern aus, deren Väter in Sellafield belastet worden waren. Die Kinder erkrankten zweimal eher an Leukämie und so genannten Nicht-Hodgkin Lymphomen als Kinder aus der gleichen Gegend, aber mit unbelasteten Vätern. Außerdem stieg das Krebsrisiko mit der Strahlendosis des Vaters.
Die Ergebnisse stützen eine umstrittene These des Epidemologen Martin Gardner von der Universität in Southhampton. Er führte erstmals Häufungen der Krebserkrankungen bei Kindern in der Umgebung von Sellafield auf eine Verstrahlung der Väter zurück. Studien untermauern inzwischen, dass Strahlenschäden von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden können – bild der wissenschaft online berichtete über entsprechende Versuche an Mäusen.
Die Forscher sprechen jedoch von einer geringen Gefährdung ? insgesamt hätten in 41 Jahren nur 13 Kinder der Sellafield-Arbeiter Leukämie entwickelt. Außerdem sei die Strahlenbelastung heutzutage weitaus geringer.
British Nuclear Fuels (BNF), das Unternehmen das Sellafield betreibt, gehört mit zu den Sponsoren der Forschungsarbeit. Es deutet die Ergebnisse positiv: Die Studie habe gezeigt, dass die enorme Häufung von Krebserkrankungen in Seascale, einem Dorf direkt neben der Anlage, auf andere Einflüsse zurückzuführen sei, meint ein Sprecher des Unternehmens.
Kritiker sehen das anders: BNF habe jahrelang versucht, die Thesen Gardners zu diskreditieren. Es sei unverantwortlich, dass das Unternehmen die Bestätigung seiner Thesen jetzt einfach ignoriere.
Florian Sander





