Menschen mit schweren Brandverletzungen leiden häufig jahrelang unter erheblichen psychischen Auswirkungen. Wer beispielsweise mit seiner Hand in heißes Frittierfett gerate oder noch weiter reichende Verbrennungen erleide, habe nicht nur an den körperlichen Folgen zu tragen, berichtete der Psychologe Hermann Winter von der Universität Göttingen am Montag. Bis zu 40 Prozent der Brandverletzten entwickelten Symptome einer so genannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Dabei gebe es drei unterschiedliche Symptomgruppen, berichtete der Psychologe. Eine Gruppe der Patienten habe immer wiederkehrende belastende Gedanken und Träume von dem Brandereignis. Eine zweite Gruppe versuche ganz bewusst, Gedanken, Gefühle oder Gespräche zu vermeiden, die mit dem Trauma in Verbindung stehen. Dabei könnten Gefühle der Entfremdung und Isolierung entstehen oder Zweifel an einer lebenswerten Zukunft aufkommen. Bei der dritten Patientengruppe träten Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, übermäßige Wachsamkeit oder übertriebene Schreckhaftigkeit auf. Die Betroffenen seien oft hilflos und nicht in der Lage, die Symptome einzuordnen.
Die Symptome der posttraumatischen Belastungsstörungen treten nach Winters Angaben oft erst nach dem Krankenhausaufenthalt auf, bisweilen erst Monate oder sogar Jahre nach dem eigentlichen Ereignis. Deshalb werde PTBS häufig auch nicht gleich erkannt und behandelt. In einer Studie an brandverletzten Männern wollen Wissenschaftler des Schwerpunktes Psychopathologie und Neuropsychologie des Bereichs Humanmedizin jetzt die Zusammenhänge zwischen Brandverletzungen und späteren psychischen Störungen untersuchen.
dpa





