Wissenschaftler aus Amerika und Finnland haben in einer Studie an Zwillingen den Einfluss von Erbfaktoren und der Umwelt auf die Entwicklung des menschlichen Gehirnes untersucht. Die Ergebnisse der Studie enthüllen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Genen, Gehirnstruktur und Verhalten. Die in der Dezemberausgabe von Nature Neuroscience veröffentlichte Studie ist der erste Schritt zur Beantwortung der Frage, welche Gehirnstrukturen für vererbte Aspekte der Intelligenz verantwortlich sind und welche Regionen folglich für kognitive Störungen am meisten gefährdet sind.
Die Wissenschaftler um Paul M. Thompson von der UCLA School of Medicine, Los Angeles, konnten zwischen genetischen und Umwelteinflüsse differenzieren, indem sie Unterschiede bei eineiigen Zwillingen (die identische Gene haben) und zweieiigen Zwillingen (diese teilen nur 50 Prozent ihrer Gene) sowie nicht verwandten Testpersonen untersuchten.
“Wir fanden, dass die Gehirnstruktur in einer ausgedehnten anatomischen Region, die die Frontale Großhirnrinde einschließt, einer genetischen Kontrolle unterliegt. Besonders die Menge der grauen Substanz im frontalen Bereich war am ähnlichsten bei Individuen, die genetisch gleich waren. Dies ist interessant, da diese individuellen Unterschiede in der Gehirnstruktur eng mit individuellen Unterschieden der Intelligenz, gemessen an Intelligenzquotienten, verknüpft sind.”, so die Verfasser der Studie. Je enger die Versuchspersonen genetisch verwandt waren, desto mehr stimmte auch deren Gehirnstruktur überein.
Die anatomischen Unterschiede im Gehirn wurden mit den Ergebnissen kognitiver Tests in Einklang gebracht. Für ihre Studie haben die Forscher Gehirnkarten erstellt, die Auskunft über die strukturellen Merkmale der Hirnrinde und die Verteilung der grauen Substanz geben.
Die wenigen bisher durchgeführten Studien über die Gehirnstruktur bei Zwillingen deuten an, dass das umfassende Volumen des Gehirnes selbst und einige Gehirnstrukturen, einschließlich der Brücke, genetisch beeinflusst sind, während die Muster der Großhirnwindungen nicht vererbt sind.
Nicole Waschke





