Kalifornische Forscher haben erstmals den kompletten, detaillierten Aufbau der Ribosomen entschlüsselt. Seit fünfzig Jahren forschen Wissenschaftler daran, die Struktur dieser wichtigen “Fabriken” in jeder lebenden Zelle zu entziffern. Bisher hatte man immer nur Teilerfolge verzeichnen können.
Das Ribosom liest den genetischen Code des Erbgutstranges DNA und baut aufgrund dieser Abfolge die von der Zelle benötigten Proteine zusammen. Es ist selbst ein großes Knäuel aus mehr als 50 Proteinen und verschiedenen Ribonukleinsäuren (RNAs). Gelingt es, Aufbau und Arbeitsweise der Ribosome im Detail zu verstehen, winken große Fortschritte in Krankheitsbekämpfung und Medikamentenentwicklung.
Die neue “Landkarte” der Proteinfabrik, entwickelt von Harry Noller und Kollegen der University of California at Santa Cruz, bildet die Grundlage, auf der sich andere, früher entdeckte Teilstrukturen zum kompletten Bild zusammenfügen lassen. Beispielsweise war die Struktur der zwei Ribosom-Hälften bereits bekannt ? die neue Karte zeigt jedoch die Lage beider Hälften samt der Lücke dazwischen, wo die Protein-Produktion stattfindet.
“Jetzt können wir neue Aspekte der Strukturen entdecken, die vorher nicht sichtbar waren”, erklärt Peter Moore von der Yale University, dessen Team im vergangenen Jahr die Atomstruktur des größeren Ribosom-Teilstücks entziffert hatte. Viele Antibiotika wirken dadurch, dass sie an das Bakterien-Ribosom binden, es so blockieren und die Protein-Produktion verhindern. Die Bakterien sind damit unwirksam. Entsprechend hofft die Pharmaindustrie nun auf die Entwicklung neuer Antibiotika, die Krankheitserreger noch gezielter unschädlich machen können.
Dörte Saße





