Die Regeln sind klar: Jeder Stromversorger muss zum 1. November eines Jahres eine gesetzliche Stromkennzeichnung veröffentlichen. Im dieser müssen die Anbieter ausweisen, aus welchen Quellen sie die Energie für ihre Kunden beschaffen und wie hoch die durchschnittlichen CO2-Emissionen aller angebotenen Stromprodukte sind.
“Pflichtanteil” sorgt für Verwirrung
Doch das Ganze hat einen Haken: Weil der nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) geförderte Ökostrom rein rechnerisch auf alle Stromkunden in Deutschland verteilt wird, muss auch der Stromanbieter eine entsprechende Umlage zahlen. Im Gegenzug darf er einen grünen EEG-Stromanteil von 46 Prozent ausweisen – egal ob er wirklich so viel Ökostrom einkauft oder nicht. Bereits Anfang 2017 hieß es dazu in einer Studie des Hamburg Instituts: “Die tatsächliche Beschaffungspolitik eines Stromanbieters wird von der Stromkennzeichnung immer weniger abgebildet.”
Ob und wie stark die Abweichungen zwischen offizieller Stromkennzeichnung und tatsächlichem Strommix sind, hat der Ökostromanbieter Lichtblick nun für die großen Versorger in Deutschland ermittelt – wohl nicht ganz uneigennützig. Für ihren Klima-Check werteten sie die offiziellen Angaben zum Strommix aus und ermittelten, welchen Strom 50 große Stromanbieter tatsächlich für ihre Kunden an der Strombörse oder bei Produzenten einkaufen.
Weniger öko als angegeben
Das Ergebnis: Die Stromprodukte der meisten Energieanbieter enthalten deutlich mehr Kohlestrom und weniger Ökostrom als in der gesetzlichen Stromkennzeichnung angegeben. Dadurch liegen auch die CO2-Emissionen für den Strommix meist deutlich höher als angegeben. Das bedeutet: Die meisten Verbraucher verursachen durch ihren Strombezug größere Umweltschäden als sie möglicherweise annehmen.
Vattenfall zum Beispiel gibt in seiner Stromkennzeichnung einen Ökostromanteil von insgesamt 50 Prozent an. Tatsächlich hat der Versorger nach Angaben von Lichtblick nur 17 Prozent Ökostrom für seine Kunden beschafft. Den klimaschädlichsten Strom aller untersuchten Versorger liefert Lichtblick zufolge die RWE-Tochter innogy. Im Durchschnitt verursacht jede Kilowattstunde Strom von innogy 813 Gramm CO2. Das sind 64 Prozent mehr als der offizielle Wert von 495 Gramm.
Höhere durchschnittliche CO2-Emissionen als offiziell angegeben verursachen auch die Stromangebote bekannter Anbieter wie Aldi Süd (Pfalzwerke), EWE, Vattenfall, Eon, E wie Einfach, DB Energie und Yello Strom. Beim Anbieter eprimo liegt der tatsächliche CO2-Austoß sogar 83 Prozent über dem im Anbieter-Strommix veröffentlichten Wert.






