Lange wurden die Dinosaurier nackt dargestellt – doch mittlerweile belegen zahlreiche Funde: Viele Arten waren gefiedert. Die feinen Strukturen wärmten die Tiere oder spielten möglicherweise bereits eine Rolle beim Balzverhalten. Irgendwann entwickelten einige Vertreter dann auch Flügel, die sie in die Lüfte heben konnten – aus den Dinosauriern entwickelten sich schließlich die Vorfahren der Vögel. Sogar der Feinbau der Dino-Federn ließ sich in einigen Funden gut erkennen. Die meisten Dinosaurier besaßen demnach eher daunenähnliche Strukturen. Was diese Protofedern von Haaren unterschied, waren dabei ihre Verzweigungsstrukturen.
Wann entstand die Feder?
Der Nachweis dieser Elemente warf allerdings die Frage auf, ob die Dinosaurier die „Erfinder“ der Feder waren oder ob die Entwicklungsgeschichte dieser bedeutenden Struktur weiter in der Evolution zurückreicht. Dabei kommen nun die Flugsaurier ins Spiel: Sie waren keine Vertreter der Dinosaurier, sondern nur entferntere Verwandte – die Entwicklungslinien beider Gruppen haben sich schon vor über 250 Millionen Jahren getrennt. Wenn auch die Flugsaurier federartige Strukturen besaßen, liegt es deshalb nahe, dass diese Entwicklung schon auf die gemeinsamen Vorfahren von Pterosauriern und Dinosauriern zurückgeht. Das würde bedeuten, dass die allerersten federartigen Elemente viel älter sind als angenommen.
Genau dies ging vor zwei Jahren aus den Ergebnissen der Forscher um Zixiao Yang von der Universität Nanjing hervor. Zuvor waren von Pterosauriern nur haarartige Strukturen auf der Körperoberfläche bekannt – sogenannte Pycnofasern. Doch Yang und seine Kollegen haben bei zwei rund 160 Millionen Jahre alten Pterosaurier-Fossilien verzweigte Versionen der Pycnofasern identifiziert, die sie als Protofedern interpretierten. Wie sie erklärten, ähnelten die Merkmale dieser Strukturen denen von als Protofedern eingestuften Versionen bei den Vogelbecken-Dinosauriern und Theropoden. Ähnlich wie bei diesen fanden sie im Inneren der Strukturen auch Hinweise auf den Baustoff Keratin sowie Reste von Melanosomen, die Federn Farben verleihen.
Infrage gestellt
Doch diese bahnbrechend wirkenden Ergebnisse stellen nun David Unwin von der University of Leicester und David Martill von der University of Portsmouth in einer Veröffentlichung im Fachmagazin “Nature Ecology and Evolution” infrage. Die Paläontologen sehen in den Gebilden keine Spuren von Protofedern. Es handelt sich ihnen zufolge nicht einmal um Überreste der haarähnlichen Pycnofasern. Wie sie erklären, scheint eher wahrscheinlich, dass es Reste von Fasern sind, die Teil der inneren Struktur der Flügelmembranen der untersuchten Pterosaurier waren. Die Verzweigungsstrukturen waren demnach nur das Ergebnis des Zerfalls dieser sogenannten Aktinofibrillen. „Hinweise aus Untersuchungen anderer Pterosaurier-Fossilien legen nahe, dass die von Yang und seinen Kollegen präsentierten verzweigten Morphologien einschließlich bürstenartiger und büschelartiger Strukturen Artefakte der Konservierung darstellen“, schreiben die beiden Paläontologen.





