Wenn sich die Delegierten der Internationalen Walfangkommission (IWC) am 24. Oktober zu ihrer Jahrestagung im slowenischen Portorož treffen, können sie ein doppeltes Jubiläum begehen: Vor 70 Jahren wurde das Internationale Übereinkommen zur Regulierung des Walfangs (ICRW) unterzeichnet und sein wichtigster Erfolg, das Verbot des kommerziellen Walfangs, besteht seit genau 30 Jahren. Das 1986 in Kraft getretene internationale Walfangmoratorium hat seither hunderttausenden Walen das Leben gerettet. “Es handelt sich um eine der größten Errungenschaften der weltweiten Artenschutzbewegung”, sagt Nicolas Entrup von der Organisation OceanCare.
Norwegen und Island fangen weiter Wale
Anlass zum Feiern besteht allerdings nur bedingt. Denn noch immer werden pro Jahr mehr als 3000 Wale getötet. Der Grund: Norwegen hat das Moratorium nie anerkannt und führt, ebenso wie Island, jedes Jahr weiterhin Walfangaktivitäten durch. Beide Länder handeln zudem entgegen dem Artenschutzabkommen mit Walprodukten – vor allem mit Japan. Laut OceanCare werden dadurch derzeit in europäischen Gewässern mehr Großwale getötet als in der übrigen Welt.
“Der eskalierende Walfang in Europa fehlt leider auf der offiziellen Tagesordnung der IWC-Konferenz”, bemängelt Entrup. Einer der Gründe dafür: Die Europäische Union konnte sich bei diesem Thema auf keine konkrete Initiative für die IWC einigen. Deutschland, England und Belgien haben im Vorfeld der IWC zwar eine Resolution gegen den kommerziellen Walfang vorgeschlagen, doch die EU-Kommission und im Speziellen Dänemark lehnten dies ab.
Problemfall Japan
Das dritte Problemland in puncto Walfang ist Japan. Schon seit Jahren schickt das Land jedes Jahr eine Fangflotte in antarktische Gewässer, um dort Zwergwale für angeblich “wissenschaftliche Zwecke” zu töten. Dass dies nur ein Vorwand ist, um Walprodukte auf den heimischen Markt zu bringen, ist inzwischen sogar offiziell klar: Bereits im Jahr 2014 hat der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag Japans Walfang in der Antarktis wegen fehlender Wissenschaftlichkeit verurteilt und die Regierung des Landes aufgefordert, dieses Programm einzustellen.
Doch in der Saison 2015/2016 hat Japan seine Fangflotte bereits wieder in die Antarktis geschickt. Das Argument: Offiziell verboten hat der Gerichtshof nur das japanische Programm “Jarpa-II”. Jetzt versucht Japan ein neues, auf zehn Jahre ausgelegtes “Forschungsprogramm” unter dem Titel “Newrep-A” durchzubekommen. In dessen Rahmen sollen 300 Zwergwale pro Saison getötet werden. “In der vorliegenden Form stellt Japans neues Forschungsprogramm einen klaren Verstoß gegen das IGH-Urteil dar”, meint dazu Fabienne McLellan von OceanCare.





