Die Energieproduktion aus Windkraft ist ein wichtiger Baustein der Energiewende und des Klimaschutzes. Sie trägt zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen bei und ist daher für eine klimaverträgliche Stromversorgung in Deutschland nahezu unverzichtbar. Allerdings sind Windkraftanlagen auch stark umstritten, weil sie lokalen Naturschutzbemühungen entgegenlaufen können. Der Grund: Vögel und Fledermäuse kollidieren oft mit den Rotoren. Schätzungen zufolge sterben dadurch in Mitteleuropa bis zu 14 Fledermäuse pro Windturbine und Jahr, das summiert sich für die rund 30.000 Onshore-Windanlagen in Deutschland auf mehrere Millionen Tiere jährlich.
Welche Insekten stehen auf dem Fledermaus-Speiseplan?
Was aber bedeutet der Tod von Fledermäusen für de lokalen Nahrungsnetze? Bisher konnten darüber nur Vermutungen angestellt werden, weil es an Daten fehlte. Deshalb haben Carolin Scholz und Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin dies am Beispiel von Rotorschlagopfern in Brandenburg näher untersucht. Für ihre Studie analysierten sie den Mageninhalt von 17 Großen Abendseglern (Nyctalus noctula), die dort an Windkraftanlagen zu Tode kamen. Über DNA-Analysen bestimmten sie, welche Insekten diese Fledermäuse kurz vor ihrem Tod gefressen hatten.
Die Auswertung ergab: „Wir fanden DNA-Barcodes von 46 Insektenarten aus neun Ordnungen, die meisten davon Käfer und Nachtfalter“, sagt Scholz. „Die Insektenarten ließen sich einer Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume, von Ackerflächen über Grünland bis zu Wäldern und Feuchtgebieten, zuordnen.“ Zwanzig Prozent der von den Fledermäusen vertilgten Insektenarten gelten in der Land- und Forstwirtschaft als Schädlinge oder Lästlinge, darunter der Waldbock (Spondylis buprestoides), der Esskastanienbohrer (Curculio elephas) oder der Eichenwickler (Cydia splendana). Eine ergänzende Literatur-Auswertung bestätigte, dass Fledermäuse eine wichtige Rolle in der Kontrolle von Schadinsekten spielen und sogar lokale Ausbrüche unterdrücken können.
Störung der lokalen Nahrungsnetze
Nach Ansicht der Wissenschaftler unterstreichen diese Ergebnisse, dass Fledermäuse eine wichtige Rolle bei der natürlichen Regulierung von Insektenbeständen haben können und dass sie damit wertvolle “Service-Leistungen” für Land- und Forstwirtschaft bereitstellen. Wenn die lokalen Fledermaus-Populationen durch den Rotorschlag zurückgehen, könnte dies demnach auch Folgen für die Insektenpopulationen und damit das Gleichgewicht der lokalen Nahrungsnetze haben. “Es verschwinden nicht nur Individuen aus der Landschaft, sondern potenziell gehen auch ihre Interaktionen in komplexen Nahrungsnetzen verloren“, erklärt Scholz.





