Das Gas Stickstoffmonoxid kann die Schmerzen von Patienten mit der Erbkrankheit Sichelzellanämie lindern. Das berichten Forscher von der Kinderklinik in Boston im Fachmagazin Journal of the American Medical Association (Ausgabe vom 5. März) nach einer Studie an zwanzig jungen Patienten.
An Sichelzellanämie leiden weltweit einige Millionen Menschen. Ein defektes Gen bewirkt die fehlerhafte Produktion von Hämoglobin, einem Molekül, das den Sauerstoff in den roten Blutkörperchen bindet. Die defekten Hämoglobinmoleküle kleben zusammen, wodurch sich die roten Blutkörperchen zu einer Sichel verformen. Als Folge kann das Blut nicht mehr ungehindert zirkulieren und die Blutkörperchen befördern zu wenig Sauerstoff in das Gewebe.
Für die Studie inhalierten die Versuchspersonen vier Stunden lang über eine Gesichtsmaske entweder gewöhnliche Raumluft oder ein Gemisch aus Raumluft und Stickstoffmonoxid. Die Patienten zwischen 10 und 21 Jahren litten an starken Schmerzen infolge so genannter Gefäßverschlusskrisen. Ihre Behandlung mit Morphin, das ihnen die Ärzte je nach Schmerz verabreichten, wurde während der Studie nicht unterbrochen. Auf einer Skala von eins bis zehn gaben die Patienten den Grad ihrer Schmerzen an. Bei den Patienten, die mit Stickstoffmonoxid behandelt wurden, nahmen die Schmerzen ab. Sie verlangten ein Drittel weniger Morphin als die Kontrollpatienten.
Die Studienleiterin Debra Weiner erhofft sich aus dieser kleinen Studie eine neue Therapie für Sichelzellanämiepatienten. In weiteren Versuchen soll die Wirkung von Stickstoffmonoxid getestet werden, wenn das Gas längere Zeit eingeatmet wird.
Ein Mangel an Stickstoffmonoxid ist wahrscheinlich die Ursache für die Gefäßverschlusskrankheit. Normalerweise wird dieses Gas in allen Körperzellen produziert und sorgt dafür, dass die Gefäße geweitet sind, damit das Blut problemlos durchfließen kann. Die so genannten Gefäßverschlusskrisen äußern sich in heftigen Schmerzen und Schwellungen der betroffenen Regionen und können mit der Zeit zu Organschäden führen.
ddp/bdw ? Birgit Schätz





