Statistiken über Todesursachen in Deutschland sind nach Ansicht des Pathologenverbandes nicht zuverlässig, da Ärzte zu wenig obduzieren dürfen. In rund 25 Prozent aller Fälle werde erst bei der Öffnung der Leiche festgestellt, dass die zunächst angenommene Todesursache falsch sei, sagte der Verbandsvorsitzende Werner Schlake am Rande des Bundeskongresses in Berlin. Für mehr Obduktionen fehlten derzeit jedoch sowohl das Geld als auch die rechtlichen Voraussetzungen.
Für verlässliche Statistiken seien bei etwa 30 Prozent aller Todesfälle Obduktionen notwendig, derzeit würden aber nur fünf Prozent aller Verstorbenen obduziert. “Dies ist eine alarmierende Entwicklung”, sagte Schlake. Zudem sei die Situation in Ostdeutschland besonders dramatisch, da hier wegen chronischen Geldmangels eine Abkoppelung vom medizinischen Fortschritt drohe, hieß es weiter.
Obduktionen machten heute nur mehr einen geringen Anteil bei der Arbeit von Pathologen aus, betonte Schlake. Untersuchungen an Zellen und Geweben Lebender umfassten mittlerweile 90 Prozent der ärztlichen Tätigkeit. Dieser Wandel des Berufsbildes sei aber “in den Köpfen nicht vollzogen worden”, sagte der Vorsitzende. Jede Krebsdiagnostik werde heute von einem Pathologen erstellt, doch in den Augen der Öffentlichkeit werde die Tätigkeit noch immer mit der Arbeit in dunklen Kellern verknüpft.
dpa





