Die Stammzellen, aus denen Spermien und Eizellen hervorgehen, beschleunigen den Alterungsprozess beim Fadenwurm. Über ein bisher noch nicht nachgewiesenes Hormon aktivieren sie Gene, die die Lebenserwartung beeinflussen. Das berichten Wissenschaftler der University of California in San Francisco im Fachblatt Science (Bd. 295, S. 502).
Cynthia Kenyon und ihre Mitarbeiter hatten bereits herausgefunden, dass die Keimdrüsen des Fadenwurms Caenorhabditis elegans einen Einfluss auf die Lebensdauer ausüben. So konnten sie dessen Lebensspanne um bis zu 60 Prozent erhöhen, indem sie die Geschlechtsorgane der Tiere vollständig entfernten. Jetzt ist es ihnen gelungen, gezielt nur die Stammzellen auszuschalten, aus denen sich die Vorstufen von Spermien und Eizellen entwickeln. Auch dadurch verlängerte sich die Lebensdauer, sogar bei bereits erwachsenen Tieren. Die Keimbahn-Stammzellen kontrollieren demnach sowohl Entwicklungen, die die Fortpflanzung als auch solche, die das Altern betreffen.
Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass bei der Kontrolle der Lebensspanne zwei Proteine, DAF-16 und DAF-12, eine wichtige Rolle spielen. DAF-16 schaltet Gene ein, indem es als Transkriptionsfaktor an der DNA bindet. DAF-12 ist als Rezeptor eines Steroidhormons in der Lage, auf äußere Signale zu reagieren. Die Forscher vermuten daher, dass die Stammzellen der Keimbahn auf noch unbekannte Weise die Bildung oder Wirkung eines Hormons beeinflussen. Dieses Hormon könnte Gene aktivieren, die für den Alterungsprozess relevant sind. “Es scheint tatsächlich Gene zu geben, deren Funktion darin besteht, den Alterungsprozess zu regulieren”, sagt Kenyon. Altern sei demnach nicht nur als Begleiterscheinung eines Entwicklungsprozesses anzusehen.
“Wir suchen jetzt nach den fehlenden Teilen”, so Kenyon. “Insbesondere wollen wir mehr über dieses Steroidhormon wissen. Was es ist, und ob es auch beim Menschen vorkommt.” Bei der Fruchtfliege lässt sich die Lebensdauer ebenfalls verlängern, wenn man die Keimbahn-Stammzellen ausschaltet. Untersuchungen an höheren Organismen stehen allerdings noch aus.
Joachim Czichos





