Die Arbeit mit embryonalen Stammzellen ist besonders ein ethisches Problem. Amerikanische Forscher glauben, nun eine Lösung dafür gefunden zu haben: Sie nutzen das Phänomen der Parthenogenese, der eingeschlechtlichen Fortpflanzung, um menschliche embryonale Stammzellen zu erhalten. Das berichtet das britische Wissenschaftsmagazin “New Scientist” (Ausgabe vom 26. April).
Bei der Parthenogenese ? auch bekannt als “Jungfernzeugung” ? mit menschlichen Eizellen werden die Zellen ohne Befruchtung durch einen elektrischen oder chemischen Reiz von außen angeregt, sich in ein frühes Embryonalstadium weiterzuentwickeln. Aus solchen Embryonen, die nur das Erbgut der Mutter enthalten und niemals zu lebensfähigen Menschen heranwachsen würden, konnten David Wininger von der US-Biotechnologiefirma Stemron und seine Kollegen zum ersten Mal menschliche Stammzellen isolieren, die für einige Tage überlebten.
Das nächste Ziel der Forscher ist es, diese Zellen im Reagenzglas unbegrenzt weiterzuziehen. Sie sind optimistisch, da dies bereits mit Affenstammzellen gelungen ist, die ebenfalls durch die Methode der Parthenogenese gewonnen worden waren. Ein Nachteil ist bisher noch, dass auf diese Weise keine Stammzellen für Frauen in der Menopause und für Männer erzeugt werden können. Doch möglicherweise lassen sich in der Zukunft Banken einrichten, die eine Vielzahl an Stammzellen enthalten, aus denen bei Bedarf die passendsten ausgesucht werden können.
Da die Zellen nur das Erbgut der Mutter enthalten, variiert die Zusammensetzung an Proteinen auf der Zelloberfläche deutlich weniger. Da diese Proteine sonst für die Erzeugung einer Immunantwort verantwortlich sind, könnten bei diesen Stammzellen die Immunreaktionen deutlich verringert sein.
Parthenogenese ist eine für Insekten durchaus übliche ungeschlechtliche Fortpflanzungsweise. Insektenweibchen können sich damit vermehren, wenn sie etwa kein passendes Männchen gefunden haben.
ddp/bdw ? Stefanie Offermann




