Nach einem Schlaganfall finden Stammzellen aus dem Knochenmark den Weg in die verletzte Gehirnregion und wandeln sich dort in neue Nerven- und Blutgefäßzellen um. Das ist das Ergebnis von Versuchen mit Mäusen, über das die Wissenschaftler des Medical College of Georgia im Fachblatt Stroke (Bd. 33, S. 1362) berichten. Könnten diese Selbstheilungskräfte beim Menschen verstärkt werden, ließe sich das Ausmaß der Schäden nach einem Hirnschlag vermindern, schreiben die Forscher. Zudem wäre eine solche Geweberegeneration nicht auf embryonale Stammzellen angewiesen.
David Hess und seine Kollegen wollten herausfinden, ob Zellen aus dem Knochenmark über den Blutkreislauf in eine Schlaganfall-geschädigte Gehirnregion gelangen und dort zerstörtes Gewebe erneuern können. Dazu arbeiteten sie mit Mäusen, denen genetisch veränderte Knochenmarkszellen übertragen worden waren. Aufgrund eines zusätzlichen Gens bildeten diese einen grün fluoreszierenden Farbstoff, der auch alle daraus hervorgehenden Zellen grün anfärbte und damit ihre Herkunft erkennen ließ. Innerhalb von zwei Wochen nach einem experimentell ausgelösten Hirnschlag ließen sich in der betroffenen Gehirnregion grün markierte Zellen nachweisen, die sich in Nerven- und Blutgefäßzellen umgewandelt hatten.
“Solche Reparaturen sind die natürliche Antwort auf einen Schlaganfall und das Knochenmark ist daran beteiligt”, sagt Mitarbeiter William Hill. Welche Knochenmarkszellen die Reparatur übernehmen und wie sie den Ort des geschädigten Gewebes finden, ist noch unbekannt. Die Forscher vermuten, dass verletzte Blutgefäße Signalstoffe freisetzen, die bestimmten Stammzellen den Weg weisen.
“Es gibt Hinweise darauf, dass ältere Menschen nicht mehr so viele Stammzellen im Blut besitzen wie jüngere”, sagt Hess. Er hofft, mithilfe von Wachstumsfaktoren spezielle Knochenmarkszellen zu aktivieren. Dadurch könnten mehr Stammzellen ins Blut gelangen und den natürlichen Heilungsprozess verstärken. Von einer solchen Behandlung würden wahrscheinlich auch Alzheimer- und Parkinson-Patienten profitieren.
Joachim Czichos





