Insekten sind für die Bestäubung der meisten Pflanzen unverzichtbar und eine wichtige Nahrung für unzählige Vögel und Kleinsäuger. Doch seit einiger Zeit registrieren Forscher einen starken Rückgang vieler wichtiger Bestäuberinsekten, darunter Schmetterlingen, Käfern und Bienen. Eine der Ursachen für den Schwund ist Futtermangel, da immer mehr Nahrungsquellen der Insekten aufgrund der intensiven Landwirtschaft und der Ausdehnung der Städte verschwinden.
Wie viel Nektar gibt es in Städten?
Während es bereits Daten zu den noch bestehenden Nektarressourcen in ländlichen Landschaften gibt, fehlen solche Messungen jedoch für städtische Gebiete. Deshalb hat nun ein Forscherteam um Nicholas Tew von der University of Bristol das Nektarangebot in Städten und Gemeinden erforscht. „Obwohl die Menge und Vielfalt des Nektars auf dem Land gemessen wurde, war dies in städtischen Gebieten nicht der Fall, also beschlossen wir, dies zu untersuchen“, erklärt Tew.
Dafür dokumentierten die Forscher zunächst die Blütenzahl und -menge in den vier britischen Städten Bristol, Edinburgh, Leeds und Reading. Zudem entnahmen sie von mehr als 3.000 Blüten von fast 200 Pflanzenarten mit einem feinen Glasrohr den Blütennektar, um die Nektarproduktion festzustellen. Mit einem Refraktometer, das misst, wie stark sich das Licht beim Durchgang durch eine Lösung bricht, ermittelten sie zudem die Zuckerkonzentration des Nektars. Die Daten verglichen sie zunächst mit bereits bestehenden Werten vom Ackerland und von Naturschutzgebieten und schließlich bewerteten sie die räumliche Verteilung vom Nektarzucker innerhalb der Städte.
Beim Vergleich fiel zunächst auf, dass sich die Menge des zur Verfügung stehenden Nektarzuckers nicht signifikant zwischen den drei Landschaftstypen unterschied. Jedoch stellten die Forscher fest, dass die Vielfalt des Nektars je nach Standort unterschiedlich war. “Wir haben herausgefunden, dass das Nektarangebot in städtischen Landschaften vielfältiger ist, also von mehr Pflanzenarten stammt, als auf dem Ackerland und in Naturschutzgebieten“, erklärt Tew. „Und dieses urbane Nektarangebot wird entscheidend von privaten Gärten unterstützt.“ Überraschend ist dies unter anderem deshalb, weil in solchen Gärten zu über 80 Prozent nicht-heimische Zierpflanzen gepflanzt werden. Wie die neuen Daten enthüllen, stellen sie entgegen früheren Annahmen eine wichtige Nektarquelle für die heimischen Insekten in Städten dar.





