Der Rotfuchs hat von allen freilebenden Raubtieren das größte Verbreitungsgebiet und kommt in nahezu allen Lebensräumen vor – von dichten Wäldern über offenen Landschaften bis hin zu Halbwüsten. Sein Erfolg beruht unter anderem darauf, dass er ein eher anspruchsloser Allesfresser ist, der sich flexibel auf gerade verfügbare Nahrungsquellen einstellen kann. Selbst Früchte verschmäht der Fuchs nicht. Es verwundert daher kaum, dass er sich auch in Städten durchaus heimisch fühlt.
Stadtfüchse sind eine eigene genetische Population
Ein Beispiel für eine schon länger von Füchsen “eroberte” Stadt ist Berlin: Hier wurden schon in den 1950er Jahren erste Rotfüchse im Stadtgebiet beobachtet, seit Beginn der 1990er Jahre kommen sie über die gesamte Stadt verteilt vor. Sophia Kimmig vom Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und ihre Kollegen haben nun untersucht, ob und wie sich diese Berliner Stadtfüchse von ihren Artgenossen im Brandenburger Umland unterscheiden. Dafür sammelten sie Gewebeproben von 188 Stadtfüchsen und 186 Landfüchsen aus dem Umland und analysierten das darin enthaltene Erbgut. Zusätzlich ermittelten die Forscher mithilfe eines Modells, welche Faktoren die Verbreitung und den Austausch der Füchse beeinflussen.
Die DNA-Analysen ergaben: Die Fuchspopulationen innerhalb Berlins und im Umland unterscheiden sich genetisch voneinander. “Unsere Ergebnisse bestätigen, dass es bei diesen Tieren eine genetische Differenzierung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten gibt – und damit die Hypothese der sogenannten urbanen Insel”, berichten Kimmig und ihre Kollegen. Ihren Gendaten zufolge gibt es keinen ungehinderten Einstrom von Landfüchsen ins Stadtgebiet und umgekehrt. Zwar findet noch ein Genaustausch zwischen beiden Populationen statt, dieser ist jedoch deutlich eingeschränkt. Als Folge ist die genetische Vielfalt der Stadtfüchse gegenüber der ländlichen Population verarmt, wie die Forscher feststellten.
Stadtautobahn als Verbreitungskorridor
Doch was hindert Stadt- und Landfüchse daran, frei ihren Lebensraum zu wechseln? Ein Faktor dafür sind physische Barrieren wie Flüsse, große Straßen oder Bahntrassen. Doch im Falle der Berliner Füchse reichen diese Hindernisse allein nicht aus, um die Abgrenzung der Populationen zu erklären. Denn die Trennlinie zwischen urbanen und ruralen Füchsen verlief nicht entlang dieser Barrieren, sondern vielmehr ziemlich genau entlang der administrativen Stadtgrenze. “Hier gibt es nur wenige physische Barrieren”, sagt Kimmig. “Entlang dieser Linie steigen allerdings menschliche Aktivität und Dichte des Hausbestandes sprunghaft an.” Die Wissenschaftler vermuten daher, dass Verhaltensanpassungen die Populationen voneinander abgrenzen. “Es scheint nicht Bewegungsfreiheit zu sein, sondern die Angst, die die ländlichen Füchse davon abhält, die Stadtinsel zu betreten”, sagen sie.





