Für ihre Studie untersuchten sie das Verhalten von Mäusespermien mittels Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und modernen Methoden der Mikroskopie. So konnten sie im Detail untersuchen, wie sich schwimmende Spermien verhalten und wie sie auf Faktoren in ihrer Umwelt reagieren, beispielsweise wenn sie zusammentreffen.
Eine Rollbewegung und dann geht’s weiter
Die Beobachtungen der Forscher zeigten: Spermien können durch den Wechsel zwischen verschiedenen Techniken ihre Richtung und das Anheften an andere beeinflussen. Wenn sich ein Spermium demnach in ein anderes „verrannt” hat, kann es sich durch eine Rollbewegung wieder befreien und danach in eine andere Richtung davon schwimmen. Art und Geschwindigkeit der Rotation bestimmen dabei, in welche Richtung das jeweilige Spermium davon saust.
Doch die wuselnden Winzlinge reagieren offenbar nicht immer mit ablehnendem Verhalten auf ihre „Artgenossen”: Die Wissenschaftler beobachteten, dass Spermien in der Lage sind, in Gruppen von zwei bis vier aneinandergelagerten Zellen zu schwimmen. Im Verband erreichen sie den Auswertungen zufolge deutlich höhere Geschwindigkeiten. Weshalb die Spermien manchmal so und manchmal so reagieren, bleibt nun eine offene Frage, sagen die Forscher.
„Die Ergebnisse werden dazu führen, dass Analysen von Spermienbewegungen neu interpretiert werden müssen”, sagt Wennemuth. „Außerdem muss man nun versuchen, Faktoren, die die Anheftung und Rotation von Spermien beeinflussen, zu identifizieren”. Dies könnte für die Fertilisations-Medizin von Bedeutung sein: „Je genauer wir Mechanismen wie die erfolgreiche Befruchtung der Eizelle durch ein Spermium verstanden haben, desto besser können Störungen der Fruchtbarkeit erklärt und eventuell behandelt werden”, so Wennemuth. Auch das Verfahren der künstlichen Befruchtung könne durch ein besseres Verständnis der Signalübertragung von Keimzellen verbessert werden, betonen die Forscher.





