Menschliche Spermien haben eine Art Ortsgedächtnis, das sie den Weg zur Eizelle leichter finden lässt: Sie können sich an ihre Richtungswechsel “erinnern”. Wenden sich die Spermien zunächst nach links, biegen sie an der nächsten Kreuzung eher rechts ab. So bewegen sie sich nicht im Kreis und finden den richtigen Weg. Das hat nun ein Züricher Neurobiologe herausgefunden, berichtet das Wissenschaftsmagazin “New Scientist” (Ausgabe vom 31. August, S. 15).
Die Spermien besitzen sicherlich kein kognitives Gedächtnis, sagt Peter Brugger von der Universität Zürich. Sie können sich also ihren Kurs nicht merken, wie es das menschliche Gehirn tut. Dennoch müssen sie eine Art Gedächtnis besitzen, meint der Forscher, nachdem er über 700 menschliche Spermazellen beobachtet hatte.
Dabei setzte der Wissenschaftler die Spermien in einen T-förmigen Kanal. Die Zellen wanderten die Röhre entlang, bis sie an die Kreuzung kamen ? die eine Hälfte bog nach rechts, die andere nach links ab. Bei einer weiteren Wanderung mussten die Spermien zunächst nach rechts einschwenken, ehe sie am T-Balken abbiegen konnten. Gut 60 Prozent bogen dort nach links ab. Sie hatten sich offenbar an ihre erste Wendung “erinnert.”
Möglicherweise verursacht jede Drehbewegung eine Ungleichmäßigkeit in jenem Mechanismus, der die Schwanzbewegung und damit das Fortkommen der Spermien kontrolliert, versucht Brugger das Sperma-Gedächtnis zu erklären. Die entgegengesetzte Drehung könnte diese Störung ausgleichen. Auch sei es denkbar, dass sich die Spermien “zusammenrotten” und miteinander kommunizieren.
ddp/bdw – Carolin Muck





