Dieser enormen Gedächtnisleistung gingen Colin Saldanha und seine Kollegen von der Lehigh-Universität auf den Grund. Sie untersuchten die Gehirne der Singvögel ? und beobachteten, dass sich der so genannte Hippocampus im Herbst um dreißig Prozent vergrößert. Diese Hirnregion ist bei den Meisen wie auch bei vielen anderen Tieren für Orientierung und Ortsgedächtnis zuständig und bildet beim Wachsen neue Nervenzellen. Im Frühjahr, wenn die Informationen über die Verstecke nicht mehr benötigt werden, schrumpft der Hippocampus wieder auf seine ursprüngliche Größe.
Eine solches Gehirnwachstum ist bei erwachsenen Tieren extrem ungewöhnlich. Wie genau diese Umorganisation des Gehirns eingeleitet wird, ist jedoch noch nicht bekannt. Colin Saldanha und sein Team haben jedoch Hinweise darauf, dass das Geschlechtshormon Östrogen an dem Nervenzellwachstum beteiligt sein könnte. Die Forscher fanden in den Meisengehirnen ein bestimmtes Enzym, das an der Bildung von Östrogenen beteiligt ist und normalerweise nur in den Eierstöcken produziert wird. Zur Zeit testen die Wissenschaftler, ob sie Nervenzellen aus Meisengehirnen im Labor durch Zugabe von Östrogenen künstlich zum Wachsen anregen können.





