Die Tiere ohne crtc3 blieben trotz üppiger Futterportionen schlank, während ihre Artgenossen in der Kontrollgruppe heftig an Gewicht zulegten. Eine genauere Untersuchung zeigte: Die Mäuse, denen crtc3 fehlte, hatten doppelt so viel sogenanntes braunes Fettgewebe gebildet. Diese spezielle Variante des Fettgewebes hat eine andere Funktion als das normale weiße Fettgewebe, aus dem auch das berüchtigte Hüftgold besteht: Während in letzterem Energie in Form von Fetten und Fettsäuren eingelagert wird, findet in braunem Fettgewebe ein schneller Energieumsatz statt – Fettsäuren werden dort bei Bedarf verbrannt, um möglichst schnell Wärme zu erzeugen. Es gibt bereits Hinweise, dass Menschen, die zu einer schlanken Linie neigen, auch überdurchschnittlich viel braunes Fettgewebe besitzen.
Um die Bedeutung von crtc3 auch beim Menschen zu dokumentieren, durchforsteten die Wissenschaftler Patientendatenbanken auf der Suche nach Trägern einer speziellen Variante dieses Gens. Sie ist aktiver als andere Versionen, sollte also den gegenteilige Effekt erzielen wie bei den Mäusen ein, bei denen das Gen ausgeschaltet war. Tatsächlich fanden die Forscher bei einer Gruppe mexikanisch-stämmiger US-Amerikaner genau den erwarteten Zusammenhang: Diejenigen mit der aktiven crtc3-Variante neigen auch deutlich häufiger zu Übergewicht.
Wie genau crtc3 den Stoffwechsel und die Menge des braunen Fettgewebes beeinflusst, bleibt noch zu klären. Offenbar seien aber wohl nicht nur falsche Ernährung und zu wenig Bewegung die Ursachen von Übergewicht, sondern auch die Veranlagung. Die Evolution habe uns dieses Erbe beschert, erläutern sie: In der Entwicklungsgeschichte des Menschen hatten diejenigen einen Überlebensvorteil, deren Veranlagung sie zu Energiesparern machte – schließlich waren sie besser für schlechte Zeiten gerüstet. Heutzutage verkehre sich dieser Vorteil allerdings ins Gegenteil und die besonders sparsamen Menschen entwickelten Übergewicht – samt all den damit verbundenen Gesundheitsproblemen. In den neuen Ergebnisse stecke jedoch großes Potenzial: “crtc3 könnte ein Schalter sein, mit dem sich die Zahl der braunen Fettzellen beeinflussen lässt – vielleicht eine zukünftige Möglichkeit, Übergewicht zu kontrollieren”, sagt Marc Montminy.





