Dänemark hat als eines der ersten europäischen Länder die Konsequenzen gezogen: Seit 2003 dürfen Nahrungsfette dort nur noch maximal zwei Prozent industriell hergestellte Transfette enthalten. Island folgte 2010 diesem Beispiel. Auch in Österreich und der Schweiz gibt es inzwischen Grenzwerte. In Deutschland existiert dagegen bisher keine Begrenzung für Transfette, sie müssen nur als “gehärtete Fette” auf der Packung deklariert werden. Weil in Großbritannien zurzeit über Grenzwerte oder sogar ein Verbot von Transfetten in verarbeiteten Nahrungsmitteln diskutiert wird, haben Allen und seine Kollegen nun den möglichen Nutzen solcher Maßnahmen genauer untersucht. Sie berechneten Kosten, Gesundheitsfolgen und soziale Effekt von einem totalen Verbot, einem Verbot nur für Restaurants und Lieferservices oder aber einer bloßen Deklaration des Transfettgehalts auf der Verpackung.
Verbot könnte 7.200 Menschenleben retten
Das Ergebnis: “Eine totales Verbot würde die Todesfälle durch Herzinfarkte um 2,6 Prozent reduzieren”, berichten die Forscher. “In den nächsten fünf Jahren würden dadurch 7.200 Menschen weniger sterben.” Und noch einen positiven Effekt gäbe es: Bisher sterben überproportional viele Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten an Herzinfarkt – auch weil sie sich ungesünder ernähren. Würde man Transfette generell verbieten, würde sich diese Ungleichheit um 15 Prozent reduzieren. Denn gerade die am stärksten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffene Bevölkerungsgruppe würde am stärksten profitieren, wie die Wissenschaftler ermittelten. Weniger drastische Maßnahmen wie ein Verbot nur im Restaurant oder beim Lieferservice würde dagegen nur 3.500 Leben retten, eine bloße Kennzeichnung nur 1.800. Und auch die Ungleichheit ließe sich damit nicht mildern.
Aber alle Vorteile nutzen nichts, wenn ein solches totales Verbot nicht zu vernünftigen Bedingungen umsetzbar wäre. Doch genau das ist der Fall, wie die Forscher betonen. Ein Verbot wäre sowohl technisch machbar, wie auch kosteneffektiv. Denn selbst wenn man die Kosten für die Neuformulierung der Rezepturen und die Veränderungen der Herstellungsverfahren hoch ansetzt, wiegen sie die Einsparungen der gesellschaftlichen Kosten durch die Krankheitsfälle nicht auf. Alle drei untersuchten Maßnahmen würden daher ihre Kosten problemlos wieder wettmachen. Ein Totalverbot würde der britischen Gesellschaft selbst im ungünstigsten Fall noch knapp 90 Millionen Euro sparen, so die Kalkulation der Wissenschaftler. “Die Elimination der Transfette aus verarbeiteten Lebensmitteln ist ein erreichbares Ziel”, konstatieren sie. “
Nach Ansicht der Forscher ist es daher höchste Zeit, sich nicht länger auf die Selbstkontrolle der Lebensmittelindustrie zu verlassen und ein Verbot durchzusetzen. “Eine solche Maßnahme ist keineswegs extrem, wie das Beispiel Dänemarks zeigt”, meint auch Lennert Veerman von der University of Queensland in einem begleitenden Kommentar. Dennoch könnte es einiges an politischem Mut bedeuten, ein solches Verbot zu beschließen. “Denn die Verlierer, die Lebensmittelindustrie, hat eine starke Lobby”, so Veerman. “Die Gewinner dagegen haben nur geringes politisches Kapital und sind sich der Problematik meist nicht einmal bewusst.”





