natur: Herr Dill, wir treten auf Sand, denken aber nicht weiter über ihn nach. Was ist eigentlich Sand?
Dill: Sand wird zunächst durch die Korngröße definiert: Alles was zwischen 0,063 und zwei Millimeter groß ist, bezeichnet der Geologe als Sand. Man unterscheidet außerdem je nach Zusammensetzung verschiedene Arten von Sand. Ein Sandkorn kann mineralogisch sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Es kann sich um Kalksteinbruchstücke, Schieferfragmente, Glimmer, Quarz oder sogar Diamanten handeln.
Wie entstehen die Körner?
Sand entsteht durch Verwitterung und Abtragung von Gesteinen in den Bergen und den anschließenden natürlichen Transport aus diesen Hochlagen in die tiefer liegenden Gebiete. Bei diesem Transport werden Gesteine durch Wind, Regen und Sonne mechanisch zerkleinert und zum Teil chemisch gelöst. Dabei bewegen sich die Sandkörner entweder in Richtung eines Sees oder des Meeres.
Um alltäglich zu bleiben: Wo steckt Sand überall drin?
Sand ist Bestandteil unzähliger Produkte. Der größte Abnehmer ist die Bauindustrie; für den Bau von Straßen und Gebäuden ist Sand unersetzlich. Außerdem wird er für die Herstellung von Glas und Keramik verwendet sowie in der Metall- und Automobilindustrie. Aber auch als Baustein in Elektrogeräten oder bei der Erdölförderung spielt er eine Rolle. Je nach den mineralogischen Bestandteilen, der Größe und Form der Sandkörner kann er für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Quarzsand, der in der Natur sehr häufig vorkommt, ist sehr widerstandsfähig und lässt sich gut im Hoch- und Tiefbau verwenden. Andere Sande sind dagegen sehr weich oder zerfallen schnell. Sie sind für den Bau eher ungeeignet. Es gibt außerdem verschiedene Spezialsande, die nur unter bestimmten geologischen Voraussetzungen in der Vergangenheit entstanden sind und daher auch seltener vorkommen. Und in einigen Bereichen der Industrie werden feuerfeste Sande benötigt, diese Eigenschaft haben aber nicht alle Arten.
Sand – die vergessene Ressource und ein unterschätzter Teil unseres Alltags?
Absolut! Sand ist für viele Bereiche unseres Lebens relevant. Das sehen wir auch an der letzten Flutkatastrophe: Ohne die tausenden Sandsäcke wäre das nicht zu bewältigen gewesen. Ein anderes Beispiel ist der Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch vor einigen Monaten. In diesem Land kommt der Sand vom Himalaya. Durch den weiten Flusstransport wurde der Sand immer feinkörniger. Das Material, das dann in Bangladesch zur Verfügung steht, ist so feinkörnig, dass es sich eigentlich nicht als vernünftiges Baumaterial eignet. Mangels Alternativen und aus Kostengründen wird er trotzdem verwendet. Deswegen sind viele der Fabriken baufällig und einsturzgefährdet.




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