Die Milbe Varroa destructor stellt eine der größten Bedrohungen für Bienenvölker dar. Wird sie durch infizierte Arbeiterinnen in den Bienenstock eingeschleppt, kann sie sich in den Brutkammern vermehren und über neu geschlüpfte Bienen weiterverbreiten. Die Milbe schädigt die Bienen dabei auf mehrfache Weise: Zum einen saugt sie die Körperflüssigkeit der Insekten und schwächt die befallenen Individuen auf diese Weise. Zum anderen ist sie ein wichtiger Überträger von Viruserkrankungen, die in vielen Fällen zum Massensterben ganzer Bienenstaaten führen.
Räumliche Trennung zwischen Alt und Jung
Ein Team um Michelina Pusceddu von der Universität Sassari in Italien hat nun in freier Wildbahn und unter Laborbedingungen beobachtet, wie Honigbienen auf den Befall mit Varroamilben reagieren. „Unsere Studie zeigt, dass Honigbienenvölker auf die Invasion einer ektoparasitischen Milbe mit signifikanten Veränderungen von Verhaltensmerkmalen reagieren, die mit sozialer Immunität verbunden sind, und zwar sowohl auf der Ebene des gesamten Volkes als auch auf individueller Ebene“, schreiben die Forscher. „Diese Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass Honigbienen die Ausbreitung von Parasiten innerhalb der Kolonie durch soziale Distanzierung begrenzen.“
Die Staaten von Honigbienen sind bereits grundlegend so organisiert, dass Parasiten es schwer haben, zur Brut vorzudringen. Die älteren Bienen, die als Arbeiterinnen viele Kontakte zur Außenwelt haben und somit Eintrittspforten für Parasiten darstellen können, halten sich vor allem in den Außenbereichen des Bienenstocks auf. Die Königin, die Brut und die Jungbienen dagegen befinden sich im Inneren des Stocks. „Diese räumliche Trennung innerhalb des Volkes führt zu einer geringeren Häufigkeit von Interaktionen zwischen den beiden Kompartimenten als innerhalb jedes Kompartiments und ermöglicht es, die wertvollsten Individuen, das heißt Königin, Jungbienen und Brut, vor der Außenwelt und somit vor dem Einschleppen von Krankheiten zu schützen“, erklären die Forscher.
Vergrößerte Distanz bei Milbenbefall
Pusceddu und ihre Kollegen vermuteten, dass Bienen diese Aufteilung verstärken, wenn ihr Volk tatsächlich von einem Parasiten wie der Varroamilbe bedroht ist. Um diese These zu prüfen, untersuchten die Forscher zunächst Bienenstöcke mit und ohne Milbenbefall in der Natur. Um das Verhalten der Bienen innerhalb des Stocks beobachten zu können, brachten sie im Bienenstock kleine Kameras an. Und tatsächlich: Waren manche Bienen eines Volkes von der Varroamilbe befallen, zogen sich die Bienen aus dem inneren Kompartiment noch weiter ins Innere zurück, während die Arbeiterinnen noch weiter im Außenbereich blieben.
Beispielsweise beschränkten sie ihre Futtertänze, mit denen sie andere Bienen auf Nahrungsquellen hinweisen, auf den Eingangsbereich des Stocks, statt wie sonst ein Stück hineinzukrabbeln. Überdies reduzierten sie Berührungen mit anderen Bienen. „Die beobachtete Zunahme der sozialen Distanz zwischen den beiden Bienengruppen innerhalb desselben von Parasiten befallenen Bienenvolks stellt einen neuen und in gewisser Weise überraschenden Aspekt der Entwicklung der Honigbienen bei der Bekämpfung von Krankheitserregern und Parasiten dar“, sagt Pusceddu. „Ihre Fähigkeit, ihre Sozialstruktur anzupassen und den Kontakt zwischen den Individuen als Reaktion auf eine Krankheitsbedrohung zu reduzieren, ermöglicht es ihnen, den Nutzen sozialer Interaktionen zu maximieren und das Risiko einer Infektionskrankheit zu minimieren, wenn dies erforderlich ist.“





