Die Corona-Krise zwingt uns zu Verhaltensweisen, die vielen Menschen neu und unnatürlich erscheinen: Verschiedene Regeln und Maßnahmen sollen dazu dienen, mehr Distanz herzustellen, um die Übertragungsraten in der Gesellschaft einzuschränken sowie das persönliche Ansteckungsrisiko zu senken. Doch in gewisser Weise orientieren wir uns dabei an der Natur oder verstärken unsere eigenen intuitiven Reaktionen, geht aus der Übersichtsstudie des Forscherteams um Sebastian Stockmaier von der University of Texas at Austin hervor.
Die Wissenschaftler verdeutlichen dies zunächst bei der passiven Form des Social Distancings. Wie sie erklären, handelt es sich dabei um einen Nebeneffekt von Infektionen, den sicher viele aus eigener Erfahrung kennen: Wenn wir uns durch eine Erkrankung schlecht und lustlos fühlen, bleiben wir lieber im Bett als uns mit Freunden zu treffen und sorgen somit automatisch für erhöhte Distanz. Als ein markantes Beispiel für diese passive Form der sozialen Distanzierung im Tierreich heben sie das Verhalten von Vampirfledermäusen hervor: Auswertungen von Abstandsmessern auf dem Rücken von Versuchstieren haben gezeigt, dass sich kranke Individuen dieser sozial lebenden Tiere zurückziehen und deutlich weniger Zeit in der Nähe von Artgenossen verbringen. Dabei zeichnete sich auch ab, wie günstig sich diese Reduktion der Sozialkontakte auf die Ausbreitung von Infektionen unter den Tieren auswirkt.
Mit Blick auf den Menschen sagt Co-Autorin Dana Hawley von der Virginia Tech in Blacksburg dazu: “Zu Hause zu bleiben und die Interaktion mit anderen einzuschränken, ist eine intuitive Verhaltensreaktion, wenn wir uns krank fühlen – und eine, die wir bei vielen Tierarten beobachten können. Menschen unterdrücken diesen Instinkt zum Rückzug allerdings häufig, etwa wegen des Drucks, weiter Leistung zu zeigen oder aus Pflichtgefühl. Daraus können sich große Schäden für uns selbst und unsere Gemeinschaften entwickeln”, so Hawley.
Blick auf die Formen des Abstandhaltens
Wie sie und ihre Kollegen weiter berichten, gibt es auch eine aktive Form der Selbstisolation: Entsprechend verhalten sich etwa Kranke, wenn sie sich bewusst von anderen fernhalten, um sie nicht anzustecken. Eine Parallele dazu ist von Ameisen bekannt: Bei manchen Arten verlassen kranke Individuen gezielt die Gemeinschaft. Diese Reaktionen betrachten die Forscher als einen selbstlosen Dienst für das Gemeinwohl: Die aktive Selbstisolation schützt den Rest der Kolonie vor einer Ansteckung. Bei Bienen ist hingegen ein Beispiel für den Fall dokumentiert, bei dem die gesunden Individuen gezielt für Distanz zu den Kranken sorgen, um die Gemeinschaft zu schützen. Durch bestimmte Anzeichen können die Insekten manche Erkrankungen bei ihren Stockgenossen erkennen und reagieren dann recht rabiat: Die Infizierten werden aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.





