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So viel Alkohol konsumieren wildlebende Schimpansen
Erde & Umwelt

So viel Alkohol konsumieren wildlebende Schimpansen

Menschenaffen fressen häufiger vergorene, alkoholhaltige Früchte. Bisher war jedoch unklar, ob sie dabei nennenswerte Mengen Alkohol aufnehmen. Deshalb haben Biologen dies anhand von Urinproben wildlebender Schimpansen in Uganda näher untersucht. Und tatsächlich: Im Urin der Menschenaffen fanden sich deutlich erhöhte Werte des Alkohol-Abbauprodukts Ethylglucuronid. Die Konzentration war ähnlich hoch wie bei einem Menschen nach ein bis zwei harten Drinks. Dies stützt die Hypothese der „betrunkenen Affen“, so das Team.
Autor
Nadja Podbregar
25. Februar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Der Konsum von Alkohol hat bei uns Menschen eine lange Tradition und kommt in fast allen Kulturen vor. Schon vor tausenden Jahren stellten Menschen alkoholhaltige Getränke aus vergorenem Getreide oder fermentierten Früchten her. Das wirft die Frage auf, woher diese Liebe zum Alkohol – und die Anfälligkeit für eine Alkoholsucht – bei uns und unseren Vorfahren kommt. Ist dies eine rein kulturell bedingt? Oder stecken möglicherweise biologische Wurzeln dahinter, weil der Alkoholkonsum evolutionäre Vorteile brachte?

Urintests für wilde Schimpansen

Hinweise auf tierischen Alkoholkonsum liefern Beobachtungen bei unseren engsten Verwandten. Vor allem bei Menschenaffen haben Biologen schon mehrfach beobachtet, dass sie häufig überreife und halb vergorene Früchte fressen und diese absichtlich zu suchen scheinen. Bei wildlebenden Schimpansen im in Guinea-Bissau haben Forschende sogar „Promille-Partys“ dokumentiert: Mehrere Schimpansen aller Alters- und Geschlechtsklassen teilten sich dabei fermentierte, bis zu 30 Kilogramm schwere Brotfrüchte. Zwar hatten diese Früchte nur einen Alkoholgehalt von rund 0,61 Prozent, offen war aber, wie viel und wie oft die Menschenaffen von diesen vergorenen Früchten aßen.

Um dies zu klären, sind Aleksey Maro von der University of California in Berkeley und seine Kollegen in den Kibale Nationalpark in Uganda gereist und haben dort Urinproben von wildlebenden Schimpansen gesammelt. Diese Proben analysierten sie mithilfe eines gängigen Schnelltests auf den Gehalt an Ethylglucuronid, einem direkten Abbauprodukt des Alkohols Ethanol. Beim Menschen ist diese Substanz bis zu 80 Stunden nach Alkoholkonsum nachweisbar und wird unter anderem zur Überwachung des Entzugs bei Alkoholkranken genutzt.

So viel Alkohol wie nach ein bis zwei harten Drinks

Die Tests wiesen Ethylglucuronid in den Urinproben von 17 der 19 Schimpansen nach. Der Gehalt des Alkohol-Abbauprodukts lag bei diesen Proben über 300 Nanogramm pro Milliliter. Zehn der Urinproben enthielten mehr als 500 Nanogramm pro Milliliter Ethylglucuronid. „Das sind relativ hohe Werte und unsere Resultate sind eher konservativ gemessen“, erklärt Seniorautor Robert Dudley von der University of California. „Diese Ethylglucuronid-Werte liegen deutlich über den beim Menschen als klinisch oder forensisch als relevant geltenden Schwellen.“ Zum Vergleich: Ein Gehalt von 500 Nanogramm pro Milliliter Ethylglucuronid im Urin ist bei uns typisch, wenn wir in den letzten 24 Stunden ein bis zwei Gläser harte Drinks zu uns genommen haben.

(Video: UC Berkeley)

Bei den Schimpansen stammte dieser Alkohol aus vergorenen Früchten des Waldbaums Chrysophyllum albidum, auch Weißer Sternapfel genannt. Wie Maro und seine Kollegen ermittelten, enthielten diese von den Menschenaffen gefressenen Früchte nur rund 0,09 Gewichtsprozent Alkohol. Um dennoch so hohe Ethylglucuronid-Werte zu produzieren, müssen die Schimpansen demnach mehrere Kilogramm dieser sehr zuckerhaltigen Früchte verzehrt haben. „Unsere Ergebnisse belegen damit, dass männliche und weibliche Schimpansen während der Reifezeit der Früchte substanzielle Mengen Alkohol mit diesen kalorienhaltigen Früchten konsumieren“, schreibt das Team.

Beleg für „betrunkene Affen“

Nach Ansicht der Forschenden belegt dies, dass auch wildlebende Menschenaffen zumindest zeitweise physiologische relevante Mengen Alkohols zu sich nehmen. „Wenn es bisher Zweifel an der Hypothese der ‚betrunkenen Affen“ gab, und daran, dass es im Lebensraum dieser Tiere genug Alkohol dafür gibt, haben wir diese nun ausgeräumt“, sagt Maro. Noch ungeklärt ist allerdings, ob die Schimpansen diesen Alkohol quasi nebenbei aufnehmen, weil sie besonders süße und damit überreife Früchte bevorzugen oder ob sie absichtlich solche schon halbvergorenen Früchte auswählen. „Letzteres wurde bisher noch für keine wildlebende Tierart eindeutig nachgewiesen“, sagt Maro. „Hier könnten künftige Forschungen ansetzen.“

Quelle: University of California – Berkeley; Fachartikel: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2025.0740

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