Für das Experiment spielten die zehn Probanden ein simples Kartenspiel. Dabei konnten sie jeweils eine Karte von einem von zwei Kartenstapeln ziehen. Vor Beginn des Spiels verrieten die Forscher ihnen, dass einer der Stapel 70 Prozent gute Karten enthielt, der andere aber nur 30 Prozent. Jeder der Teilnehmer spielte selbst, beobachtete aber auch während mehrerer Durchgänge, wie andere spielten und von den Kartenstapeln zogen. “Im Laufe der Zeit konnten sie so herausfinden, in welchem Stapel mehr gute Karten lagen und ihre Spielstrategie entsprechend anpassen”, erklärt Hill. Während dieses Lernprozesses zeichneten die Forscher die Aktivität in drei Hirnarealen auf, die für ihre Beteiligung an Lernprozessen bekannt sind: in der Amygdala, einem Teil des präfrontalen Cortex sowie dem vorderen Teil des cingulären Cortex. Alle drei Bereiche spielen für die Entscheidungsfindung, aber auch für das Belohnungssystem und die emotionale Reaktion auf das soziale Lernen eine Rolle.
Feuern beim Beobachten und bei Schadenfreude
Dabei zeigte sich: Alle drei Hirnareale reagierten zwar, während die Probanden überlegten, welche Kartenstapel der Bessere sein könnte. Doch nur eine kleine Gruppe von Neuronen im anterioren cingulären Cortex feuerte spezifisch dann, wenn die Probanden andere beim Kartenspiel beobachteten. “Wenn ich jemanden anderen dabei beobachte, wie er eine Karte zieht, dann verändern diese einzelnen Neuronen in meinem Gehirn ihre Feuerrate – und zwar je nachdem, welche Ergebnis ich erwarte”, erklärt Hill. “Wenn ich vermute, dass der Andere gewinnen wird, feuern diese Neuronen stärker. Wenn ich dann aber sehe, dass er verloren hat, kodieren diese Neuronen auch diesen Vorhersage-Irrtum.” Damit haben die Forscher den Ort in unserem Gehirn lokalisiert, in dem das beobachtenden Lernen stattfindet: Wir stellen beim Zusehen eine Hypothese über den vermutlichen Ausgang auf und merken uns dann, ob sie stimmte oder nicht. Aus diesen Erfahrungen ziehen wir unsere Schlüsse und passen unserer eigenen Handlungen daran an.
Interessanterweise spürten die Forscher in diesem Hirnareal des cingulären Cortex auch den Sitz eines zutiefst menschlichen Gefühls auf: der Schadenfreude. Denn die Neuronen in diesem Bereich feuerten immer dann besonders stark, wenn ein anderer Spieler verlor und der Proband selbst gewann. Umgekehrt verringerten sie ihre Aktivität, wenn die andern gewannen und der Proband verlor. “Natürlich wissen wir nicht genau, was diese Neuronen dabei kodieren”, sagt Hill. “Es ist aber faszinierend, dass etwas wie Schadenfreude sogar auf der Ebene der einzelnen Neuronen in unserem Gehirn nachweisbar ist.”





