Das Kleinkind, das sprechen lernt, plappert alles, was es hört, nach. Es behält aber nicht alles, was es hört und nachplappert. Damit ein Wort wirklich erfolgreich gelernt werden kann, muss das Kind dem Wort einen Sinn zuordnen können. Dies belegt die Studie einer amerikanischen Psychologin, die sie auf der 10. Europäischen Konferenz für Entwicklungspsychologie vorgestellt hat.
Erika Hoff von der Florida Atlantic University führte mit 23 Kindern im Alter von knapp unter zwei Jahren spielerische Experimente durch, in denen sie die Kinder mit verschiedenen Gegenständen ? vertrauten und unvertrauten ? konfrontierte.
Dabei gab sie den vertrauten Gegenständen ihre korrekte Bezeichnung und den unvertrauten Gegenständen eine Phantasie-Bezeichnung. “Ich wollte sehen, ob die Kinder denken würden, dass das Wort, das sie nie gehört haben, zusammengehört mit dem Ding, das sie nie gesehen haben”, erklärt Hoff. “Einige Kinder taten dies auf perfekte Weise, einige Kinder gar nicht, die meisten aber verfuhren mehr oder weniger nach dieser Regel.”
Aus dem Ergebnis ihrer Experimente schließt Hoff, dass die Kinder beim Sprachwerb gleichermaßen Laut und Sinn brauchen. “Ich habe festgestellt, dass Kinder, die den Laut besser erinnerten auch einen größeren Wortschatz hatten. Auch umgekehrt, hier aber in geringerem Maße, gilt, dass Kinder, die treffsicher die Bedeutung eines Wortes aus dem Kontext erfassen, einen größeren Wortschatz haben. Es ist jedoch interessant”, sagt Hoff, “dass Kinder, die ganz schlecht darin sind, neuen Wörtern einen Sinn zuzuordnen, niemals einen großen Wortschatz haben. Ein Kind kann keine Wörter lernen, von denen es sich nicht vorstellen kann, was es bedeutet.”
Doris Marszk





