Die meisten von uns gehören wahrscheinlich dazu: Wir sind für Umweltschutz, wollen das Klima besser schützen und kaufen gerne fair ein. Um allerdings auf Demonstrationen zu gehen, bei Sitzblockaden und anderen Aktionen mitzumachen, fehlt uns schlicht die Zeit – und vielleicht auch der Mut. Dafür unterzeichnen wir Online-Petitionen, teilen Tweets und Informationen über Aktionen in unserem Online-Freundeskreis und “liken” die gute Sache bei Facebook.
Alibi-Engagement oder echte Hilfe?
Aber ist das nur Kosmetik für das gute Gewissen, sozusagen ein Alibi-Engagement? Oder hilft diese Form der passiven Unterstützung über soziale Medien vielleicht doch? Das wollten Pablo Barberá von der New York University und seine Kollegen genauer wissen. Sie haben daher Millionen von Tweets analysiert, die im Rahmen der Occupy-Bewegung und 2013 bei den Protesten im Istanbuler Gezi-Park versendet wurden. Zum Vergleich werteten sie zudem Tweets eines völlig unpolitischen und Aktivismus-freien Ereignisses aus: die Oscar-Verleihung.
Das Ergebnis dürfte viele von uns beruhigen: Auch Sofa-Aktivisten wichtig für den Erfolg von Bewegungen. Denn wie die Auswertungen ergaben, macht erst eine Art Arbeitsteilung eine Bewegung auch online bekannt und erfolgreich. Im Kern sind die aktiven Teilnehmer – diejenigen, die auf der Demonstration protestieren oder andere Aktionen durchführen. Ihre Nachrichten und Tweets werden von einem weitaus größeren Kreis der passiven Unterstützer aufgenommen und vervielfacht.
Ohne Peripherie kein Erfolg
Selbst wenn jeder Unterstützer nur eine oder zwei Nachrichten per Twitter absetzt, summiert sich dies zu einer enormen Reichweite. “Die Protestierenden im Kern dieses Netzwerks hätten erheblich mehr Schwierigkeiten, ein so großes Publikum ohne diese Peripherie aus weniger aktiven Nutzern zu erreichen”, erklären die Forscher. Interessanterweise fanden sie diese klare Struktur aus dichtem Kern und großer Peripherie nicht bei dem unpolitischen Vergleichsereignis. Hier ähnelte die Twitterstruktur eher einem dezentralen, losen Netz.
“Natürlich bringen einen die sozialen Medien nicht dazu, sein Leben zu riskieren oder auf die Straße zu gehen”, sagt Sandra González-Bailón von der University of Pennsylvania. “Aber es hilft denjenigen, die die Risiken eingehen, internationale Aufmerksamkeit zu bekommen.” Nach Ansicht der Forscher sind daher auch die passiven Unterstützer keine bloßen “Slacktivisten”, die andere machen lassen und nur ihr Gewissen beruhigen wollen – auch sie sind entscheidend für den Erfolg einer Bewegung.
Quelle: University of Pennsylvania, Fachartikel: PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0143611





