Sexualhormon gibt Hinweis auf psychische Störung
Die Länge der Finger – insbesondere des Zeige- und des Ringfingers – gibt möglicherweise Aufschluss über die Ursache von Autismus: Autistische Kinder haben häufig ungewöhnlich lange Ringfinger, und lange Ringfinger stehen im Zusammenhang mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron. Ihre These haben die Wissenschaftler von der University of Liverpool in der Zeitschrift “Developmental Medicine and Child Neurology” veröffentlicht.
Das Forscherteam um John Manning hat 49 Kinder mit voll ausgeprägtem Autismus und 23 mit einer gemäßigten Variante, die unter dem Namen Asperger-Syndrom bekannt ist, untersucht. Sie verglichen jeweils das Verhältnis von Zeige- und Ringfinger bei den autistischen Kindern sowie bei deren gesunden Geschwistern, Vätern und Müttern. Verschiedene frühere Studien haben bereits gezeigt, dass die Länge von Zeige- und Ringfinger Aufschluss darüber gibt, welcher Menge an Testosteron ein Kind in der Gebärmutter ausgesetzt ist. Denn bei Männern ist in der Regel der Ringfinger etwas länger als der Zeigefinger, während bei Frauen Zeige- und Ringfinger meistens gleich lang sind.
Wenn Autisten ungewöhnlich lange Ringfinger haben, dann heißt das, dass sie während der fetalen Entwicklung einer übermäßigen Menge an Testosteron ausgesetzt waren. Das wiederum könnte die Ausprägung männlicher Züge deutlich verstärkt haben. Dazu gehören auch die für Männer typischen Schwierigkeiten mit Sprache oder der Mangel an Empathie. Und eben dies sind auch Kennzeichen von Autismus. So könnte die Ursache von Autismus ein zu männliches Gehirn sein.
Das Verhältnis der Längen von Ring- und Zeigefinger zueinander bildet sich ungefähr in der 14. Schwangerschaftswoche aus und bleibt ein Leben lang so erhalten.
Doris Marszk





