Ein einfacher Wangenabstrich kann helfen, Lungenkrebs bereits in einem sehr frühen Stadium zu diagnostizieren. Das haben US-amerikanische Forscher gezeigt. Es gelang ihnen, mit Hilfe einer speziellen Beleuchtung unter dem Mikroskop sehr kleine Zellbestandteile in der Mundschleimhaut zu untersuchen und darin strukturelle Veränderungen nachzuweisen. Diese Veränderungen entstehen häufig im Umfeld bösartiger Tumoren, selbst wenn sich diese nicht in direkter Nachbarschaft bilden. Zellumstrukturierungen in der Mundschleimhaut deuten dabei auf Lungenkrebs hin, weil die Schleimhäute in Mundhöhle und Lunge zum selben Gewebetyp gehören.
Lungenkrebs ist eine sehr häufige Todesursache, da er in den frühen Stadien nur wenige typische Symptome verursacht und daher oft lange unentdeckt und unbehandelt bleibt. Um diese Krebsart zu diagnostizieren, musste bisher Zellmaterial direkt aus der Lunge entnommen werden. Das ist zum einen sehr aufwendig und zum anderen für viele Patienten eine schmerzhafte Angelegenheit. In Zukunft könnte jedoch ein Abstrich aus dem Mundinnenraum genügen, legen nun die neuen Ergebnisse nahe.
Die Wissenschaftler um Vadim Backman von der Northwestern University in Evanston hatten für ihren Test ein hoch auflösendes Mikroskop entwickelt, das kleinste Zellveränderungen in einer Größe von 20 Millionstel Millimetern (Nanometern) mit Hilfe von Lichtstreuung sichtbar macht. “Genau solche Zellveränderungen sind eines der ersten Anzeichen für die Entstehung von Krebs”, sagt Backman. Die neue Technologie hat sich auch bereits bewährt: Backman und seine Kollegen testeten die Methode an 22 Nichtrauchern und 113 Rauchern, von denen etwa die Hälfte zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits an Lungenkrebs litt. Allen Probanden wurde ein Abstrich aus dem Mund entnommen und mit dem neu entwickelten Mikroskop untersucht. Das Ergebnis: Die Zellveränderungen bei den Probanden mit Krebs waren deutlich erkennbar, während sich bei den nicht an Krebs Erkrankten keine Besonderheiten zeigten. Man habe so die Krebspatienten mit mehr als 80-prozentiger Genauigkeit von den gesunden Versuchspersonen unterscheiden können, sagen die Forscher.
“Mit der neuen Technik haben wir die Möglichkeit, Menschen präventiv zu untersuchen, die ein sehr hohes Risiko für Lungenkrebs haben und zu entscheiden, wer von ihnen von weiteren genaueren Tests profitieren würde”, erklärt Hemant Roy, einer der beteiligten Forscher. Allerdings müsse sich die Methode erst in größeren klinischen Studien bewähren. Das endgültige Ziel der Wissenschaftler ist es, ein Verfahren zu entwickeln, mit der auch andere Krebsarten bereits frühzeitig entdeckt und damit auch behandelt werden können.
Vadim Backman (Northwestern University, Evanston) et al.: Cancer Research, Onlinevorabveröffentlichung vom 5.Oktober 2010. dapd/wissenschaft.de ? Kristina Abels





