Die Wissenschaftler um Heileen Hsu-Kim fanden nun heraus, aus welchem Grund eine besonders giftige Form des Quecksilbers, das Methylquecksilber, in Süßwasser besser abgebaut werden kann als in Salzwasser. Im Süßwasser werden durch Sonneneinstrahlung hochreaktive Sauerstoffverbindungen aktiviert, die alle Arten von chemischen Verbindungen aufbrechen können. In diesem photochemischen Prozess wird das Methylquecksilber in weitaus weniger giftige Bestandteile zerlegt. Besonders leicht wird die zersetzende Reaktion ausgelöst, wenn sich das Methylquecksilber an organische Substanzen wie pflanzliche oder tierische Rückstände anlagert, die in Seen und Flüssen häufig zu finden sind.
In den Ozeanen sieht es anders aus. Da das Quecksilber im Meereswasser fest mit dem Salz verbunden ist, können die Molekülverbindungen nur schwer vom Sonnenlicht auseinandergebrochen werden. Daher wird es von vielen Meeresbewohnern aufgenommen und gelangt so in die Nahrungskette. Fische und Schalentiere lagern das Methylquecksilber in ihren Organen an. Die Meeresbewohner sind daher die Hauptquelle für vom Menschen mit der Nahrung aufgenommenes Quecksilber.
Je älter und fettreicher der Fisch ist und je weiter oben er in der Nahrungskette steht, desto stärker ist die Anreicherung mit Methylquecksilber. Die Konzentrationen im Thunfisch oder Heilbutt überschreiten oftmals die von der WHO festgelegte Höchstmenge. Die gesundheitlichen Folgen einer Quecksilbervergiftung sind äußerst schwerwiegend: Das Spektrum reicht von Nieren- oder Leberschäden über neurologische Erkrankungen bis zum Tod durch Organversagen. Auch bei ungeborenen Kindern kann durch die Mutter weitergegebenes Quecksilber verheerende Schäden anrichten.





