Mit dem Alter geht die Muskelkraft zurück. Dies liegt jedoch nicht, wie bisher angenommen, daran, daß mehr Muskelgewebe abgebaut, als neu gebildet wird. Im Journal of the American Medical Association legen Wissenschaftler der University of Texas in Galveston eine Studie vor, die zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen Abbau und Neusynthese von Muskelproteinen bei alten und jungen Männern kaum unterscheidet. Demnach müsste es möglich sein, dem Verlust von Muskelgewebe entgegenzuwirken.
An der dreijährigen Studie nahmen 48 gesunde Männer teil. Die Probanden der einen Gruppe waren im Durchschnitt 70, die anderen 28 Jahre alt. Mithilfe markierter Aminosäuren wurden Abbau und Neusynthese von Muskelproteinen gemessen. Dabei zeigte sich, dass die Nettobilanz bei beiden Gruppen gleich war. Es muss also eine andere Ursache für den Muskelabbau im Alter geben. “Vom medizinischen Standpunkt aus, sind das gute Nachrichten”, sagt Elena Volpi aus der Arbeitsgruppe von Robert Wolfe. “Es bedeutet, dass Älterwerden nicht zwangsläufig mit Muskelverlust verbunden sein muss.” Außerdem sei es leichter, ein Programm mit körperlichen Übungen zu entwickeln oder die Ernährung zu ergänzen, als einen Stoffwechseldefekt der Muskelzellen zu behandeln, so Volpi.
Für den altersbedingten Muskelabbau kann es verschiedene Gründe geben. In Frage kommen hormonelle Veränderungen, eine schlechtere Proteinverwertung und nicht zuletzt die im höheren Alter verringerten körperlichen Aktivitäten. Weitere Forschungen sind nötig, um herauszufinden, wie ältere Menschen ihre Muskelkraft länger erhalten können.
Joachim Czichos





